Unsere Geschichte

 
Aus der Geschichte des katholischen Gesellenvereins Hardheim,
der sich heute, nach seinem Gründer, Kolpingsfamilie nennt.
 
Pfr. Prailes hatte am 3. Februar 1865 das Großherzogliche Bezirksamt in Walldürn davon in Kenntnis gesetzt, dass am 02. Februar 1865 ein „Katholischer Männerverein“ gegründet worden war, der als Vorläufer des Gesellenvereins gilt. Nachdem dieser Verein wegen politischer Betätigung zunächst verboten worden war, wurde er am 13. März 1866 wieder gegründet. Dieser entfaltete eine rege Vereinstätigkeit und führte als Nebenverein eine Leih- Vorschuss- und Kreditkasse ein, die schon vor der Gründung der Volksbank und Sparkasse in Hardheim funktionierte und wertvolle Dienste in der ganzen Gemeinde leistete. Kassenbücher aus den Jahren 1866 bis zur Auflösung sind vorhanden. Am 03. Dezember 1895 wurde das Restguthaben in Höhe von 1240.--Mark an Pfr. Stephan übergeben, der dafür zwei Glocken für die neue Pfarrkirche anschaffte.
Am 09. Dezember 1890 genehmigte das Großherzogliche Bezirksamt Walldürn unter der Nummer 21562 die Gründung eines „Katholischen Gesellenvereins“ in Hardheim. Der Bruderverein Tauberbischofsheim war der Patenverein. In seinem Protokollbuch heißt es: „Am Dreikönigstag 1891 wurde in Hardheim ein Gesellenverein gegründet und der hiesige Verein zur Festlichkeit eingeladen. 17 Mann fuhren am Nachmittag mit einem offenen Fuhrwerk da hin und kehrten voll Freude über den schönen Verlauf nachts 2 Uhr zurück.“
Im Protokollbuch des Gewerbevereins heißt es: Man wolle durch die Gründung eines „Katholischen Gesellenvereins“ den Arbeitern neben ihrer geschäftlichen Ausbildung Gelegenheit bieten zur fröhlichen und sittlichen Unterhaltung. Dies war sicher auch durch den bisherigen „Katholischen Verein“ geboten. Zahlreiche Theateraufführungen vom ersten Jahr des Bestehens des Gesellenvereins an künden davon, dass die Unterhaltung ganz oben in der Gunst der Bürger stand. Auf der Einladung zum Laienspiel auf einem Plakat heißt es: „Katholischer Gesellenverein zur angenehmen Erbauung und fröhlichen Erheiterung kommen am 2. Februar um 3 Uhr und ½8 Uhr und am 3. Februar ½8 Uhr zur Aufführung: Ave Maria, Couplet….“
Der wahre Grund für die Gründung des Katholischen Gesellenvereins war sicher nicht die Unterhaltung, sondern, dass an vielen Orten diese von Adolf Kolping gegründeten Gesellenvereine bestanden. Hier fanden die wandernden Gesellen an vielen Orten Aufnahme und ein neues Zuhause. So schreibt der Hardheimer Ehrenbürger Adolf Seeber aus Karlsruhe am 23. August 1903 an Pfr. Stephan:
„Da ich schon geraume Zeit von zu Hause weg bin, und Sie nicht zu Hause anwesend waren, so glaube ich eine Anstandspflicht zu erfüllen, wenn ich Ihnen meinen Dank für das gute Zeugnis ausspreche und Ihnen mitteile, dass es mir im hiesigen Gesellenverein sehr gut gefällt.“
Zahlreiche Einladungen von den Gesellenvereinen Freiburg, Berlin, Wien, Linz und Köln zeigen, dass die Kolpingschen Gesellenvereine bereits international auftraten und zu Jubiläen einluden.
1913 wurde dem Gesellenverein ein Jugendverein angegliedert. Von nur kurzem Bestand war die von Pfr. Stephan gegründete Sparkasse, von der ein Kassenbüchlein und ein Hinweis auf Aktienbesitz des Gesellenvereins erhalten sind. Leider ist kein Datum vermerkt.
Der erste Weltkrieg forderte unter den Mitgliedern 18 gefallene Soldaten. Die erste Versammlung nach dem Krieg fand am 06. Januar 1919 statt. Neben der Theaterabteilung gab es ein Streichorchester und eine Turnerriege, die 1922 an den Turnverein überging. 1924 wurde innerhalb des Gesellenvereins die DJK (= Deutsche Jungendkraft) gegründet. 35 Männer gingen zum Turn-, 24 zur Fußballabteilung und einige zur Faustballmannschaft. 1925 wurde eine neue Fahne angeschafft und unter Beteiligung von 40 Gesellenvereinen eingeweiht. Die Zeit zwischen 1925 bis 1933 wird als der aktivste Abschnitt des Gesellenvereins bezeichnet.
Schriftführer Albert Leiblein schreibt über die Zeit des Nationalsozialismus: „Nachdem im Jahr 1933 die Nationalsozialsten die Regierungsgewalt im Deutschen Reich übernommen hatten, setzte schon 1934 eine Hetze ein. Die örtlichen Verantwortlichen wollten die DJK schon lang von der Bildfläche verschwinden lassen. Massiv schaltete sich die Partei ein, sodass 1934 den Drohungen und dem Druck nachgegeben wurde und der Übergang in den TVH erfolgte. 1935 erging von der Gestapo das Betätigungsverbot der DJK im ganzen deutschen Reich.
1935 wurde dem Jugend- und Gesellenverein das öffentliche Auftreten verboten. Nur bei Fronleichnamsprozessionen durfte die Gesellenvereinsfahne noch getragen werden.
Präses Kaplan Bernhard Hauer schreibt über diese Zeit: „Während der Zeit der Unterdrückung führte die Kolpingsfamilie ein bescheidenes Dasein. 14-tägig, manchmal allmonatlich traf man sich mit etwa 20 Getreuen im Lokal des Gasthauses zur Rose. Es gab Lichtbildvorträge, Vorträge des Präses, oder der Soldaten, die auf Heimaturlaub waren, berichteten von ihren Kriegserlebnissen. Stets waren Gefallene zu beklagen. Die Zentrale in Köln hielt das Bewusstsein wach, dass man eine Kolpingsfamilie war. Mutig gedachte Pfr. Josef Heck in der Kirche der Gefallenen.
Mit dem Erscheinen der fremden Macht am Karfreitag folgte eine ausgiebige Besetzung, die im weiteren Teil des Jahres 1945 keine Zusammenkünfte mehr gestattete.“
Am 17. Januar 1946, ein Donnerstag, war für die Kolpingsfamilie Hardheim ein historischer Tag, der Tag des Neubeginns nach dem „Zweiten Weltkrieg“. 85 Männer erschienen im Gasthaus zum Ochsen, um Mitglied in der Kolpingsfamilie zu werden.
Erster Senior wurde 1946 Alfons Gehrig, - 1947 Erich Erbacher – 1949 Otmar Berberich – 1951 Herbert Gehrig – 1956 Gebhard Böhrer – 1958 Franz Greulich, - 1962 Klemens Scheurich, - 1965 Bernhard Löffler – 1966 Franz Greulich – 1987 Rudi Gärtner
Nach der Wiederbelebung der Kolpingsfamilie nach dem zweiten Weltkrieg war die Zeit, in der Gebhard Böhrer dem Verein als Senior vorstand, eine besonders erfolgreiche. Er führte neben der Monatsversammlung der Gruppe Altkolping die wöchentlichen Treffen der Jüngeren im Marstall ein. Werner Pahl und Bernhard Löffler leiteten KJG-Jugendgruppen, die mit dem 18. Lebensjahr in die Kolpingsfamilie aufgenommen wurden. Eine groß angelegte Werbung bescherte dem Verein viele passive Mitglieder.
Immer wieder machte die Kolpingsfamilie Angebote für die Jugend. Hier wären besonders zu nennen Bernhard Schlögls „Kolping-Aktiv-Gruppe“, Kurt Henns „Briefmarkenfreunde“, Wolfgang Daehres „Bastel und Jugendlaienspielgruppe“. Heike Fischer gründete 1988 eine Kolping-Mädchengruppe.
Walter Bechtold hatte immer neue Ideen. Auf ihn gehen der Hammeltanz, das Maibaumstellen und der Bau des Spielplatzes in der Roten Au zurück. zurück. Am Stiftungsfest 1987 waren erstmals 11 Frauen bei den neu aufgenommenen Mitgliedern.
Ein besonderer Höhepunkt war die Ausrichtung des „Fränkischen Kolpingtages“ anlässlich des 90-jährigen Bestehens und die Feier des „Nordbadischen Kolpingtages“ zum 100-jährigen Bestehens im Jahr 1990. Hier wurden jeweils Festschriften herausgegeben, die teilweise noch beim Vorsitzenden vorrätig sind. 25 Jahre war Wolfgang Daehre der Regisseur der mit großem Erfolg gespielten Laienspielaufführungen und organisierte professionell die mehrtägigen Vereinsausflüge.
Diese Tradition hat Rudi Gärtner mit seiner Laienspielgruppe weiter geführt. Unter seiner Regie wird alljährlich das Josefsmarktspektakel, das die Verleihung der Marktrechte zum Inhalt hat, aufgeführt. Auf seine Initiative wurde ein Grillwagen gebaut, der am Weihnachts- und am Josefsmarkt zum Einsatz kommt. Der Markterlös kam unter anderen dem Missionar Pater Josef Großkinsky zugute.
Zusammen mit der Kolpingsfamilie Erfeld hat die Kolpingsfamilie Hardheim 2010 erstmals ein gemeinsames Programm herausgebracht. Es orientiert sich an den Zielen Adolf Kolpings, der den „guten Staatsbürger, die Familie, die Meisterschaft im Beruf und den guten Christen in den Mittelpunkt stellte. So gehören alljährlich die Maiandacht, die Einstimmung in den Karfreitag und das Kolping-Besinnungswochenende, das seit über 25 Jahren im Jugenddorf Klinge von Diakon Greulich organisiert wird, zum festen Programmbestandteil.
Seit Gründung des Vereins wird das Stiftungsfest am Dreikönigstag oder am Vortag festlich begangen. Im Mittelpunkt steht neben dem Gedenkgottesdienst&xnbsp; für die Verstorbenen die anschließende Feier mit Festreferat und der traditionellen Gabenverlosung.
Alle Aktivitäten werden im Amtsblatt der Gemeinde, im Pfarrblatt und in der Presse bekannt gemacht.
 
Die Zusammenfassung der Geschichte der Kolpingsfamilie Hardheim erfolgte im Mai 2010 durch Vizepräses Franz Greulich.