Orgel plus Flöte mit Michael Dorn und Martin Schmidt

 
Kirchenmusikdirektor Michael Dorn (Bayreuth) an der Vleugels-Orgel und Martin Schmidt (Buchen) an der Querflöte begeisterten das Publikum mit einem musikalischen Spaziergang durch verschiedene Epochen.

Quelle: Foto: Adrian Brosch

Foto: Adrian Brosch
Hardheim. (adb) „Orgel plus Flöte“ – eine nicht alltägliche Kombination. Fraglos jedoch eine von hohem künstlerischem Wert, wie das gleichnamige Konzert in der Pfarrkirche St. Alban mit Kirchenmusikdirektor Michael Dorn (Bayreuth) an der Vleugels-Orgel und Martin Schmidt (Buchen) an der Querflöte am Sonntag bewies. Das Programm war ein musikalischer Spaziergang durch verschiedene Epochen.
Im Namen des Freundeskreises „Erftaldomorgel“ begrüßte Bernhard Berberich die Zuhörer und freute sich über das erste Orgelkonzert nach über einem Jahr Corona-Zwangspause und vier daraus resultierenden Absagen. „Schön, dass wir uns wieder sehen“, sagte er und sprach von einem „würdevollen Auftakt in die kulturelle Wiederauferstehung“.
Den Einstieg in das Konzert bildete ein schwungvoller Ausflug in die Ära des Barocks: Von Johann Sebastian Bach wurde die frische „Sonate G-Dur nach BWV 525“ nebst Adagio und Allegro präsentiert – zweifelsohne ein klangvolles Intro zum Zurücklehnen und Entspannen. Flöte und Orgel ergänzten sich dabei auf gefühlvolle Weise: Von einem „Wettstreit“ der Instrumente konnte keine Rede sein, eher von einer gegenseitigen Bereicherung.
Im weiteren Verlauf der musikalischen Reise näherten sich Interpreten und Publikum dem Zeitalter der Romantik. Getragen und mit leiser Melancholie erklang die „Elegie für Flöte und Orgel“ des bayrischen Komponisten Franz Lachner, deren Töne den schmalen Grat zwischen Liebesglück und Liebesleid eindrucksvoll verdeutlichten. „Mehr oder weniger modern“ unterhalten wurden die zahlreichen Zuhörer – die allesamt einen negativen Corona-Test oder Impfnachweis vorzulegen hatten – bei Jehan Alains „Trois mouvements pour flûte et orgue“ („Drei Bewegungen für Flöte und Orgel“). Nachdem das fürstliche Andante verklungen war, wussten Martin Schmidt und Michael Dorn mit beschwingteren Tönen ebenso zu gefallen: Ganz federleicht schwebten das „Allegro con Grazia“ und das „Allegro vivace“ durch den Erftaldom. Auch hier schufen Querflöte und Orgel einen akustischen Genuss.
Logisch, dass es von hier aus nur mehr ein kurzer Weg in die „Belle Époque“ war – in jenes Zeitalter um die Jahrhundertwende, in dem die industrielle Revolution für ein neues Gefühl emotionaler und materieller Sicherheit sowie wachsendes Kulturbewusstsein sorge, bis der Erste Weltkrieg es 1914 jäh beendete. Aus dieser geschichtlich interessanten „Zwischenzeit“ hatten die beiden Virtuosen ganz auf französische Komponisten eingestellt, nachdem die „Grande Nation“ bis heute als geistige Triebfeder der „Belle Époque“ gilt: Die ausgesprochen hörenswerte Hommage umfasste die Werke „À chloris“ und „L’heure exquise“ aus dem Schaffen von Reynaldo Hahn sowie „Après un rêve“ von Gabriel Fauré und die „Offertoire op. 12“ für Flöte und Harmonium/Orgel von Johannès Donjon – allesamt Stücke von eigenem, aber sehr leicht zugänglichem Charakter.
Nach jener musikalischen „Zeitreise“ Hand in Hand mit Orgel und Flöte krönte den Abend eine kurze wie geschmackvolle musikalische „Weltreise“, die mit Stücken des 1958 geborenen Gegenwartskomponisten Hans-André Stamm von Wales („Suo Gan“) nach Chile („Fantasia cilena“) führte – sehr zur Freude des begeistert applaudierenden Publikums, dessen Gehör noch mit einer spontanen Zugabe der fröhlichen Art verwöhnt wurde. So endete ein musikalisch nicht alltäglicher, vom ersten bis zur letzten Note überzeugender Abend.
 
Bericht RNZ 22.06.2021 Adrian Brosch