Ernst und heiter: Kann ein Konzert beides sein? Das beißt sich doch – sollte man meinen. Eines Besseren belehrt wurden die Zuhörer der „neuen Klangfarbenvielfalt“ des jüngsten Orgelkonzerts im Erftaldom St. Alban: Domkapellmeister Martin Dücker (Stuttgart) war es, der das überholte und um das neue Register „Clairon 4‘“ ergänzte Prachtinstrument aus dem Hause Vleugels zum Klingen brachte – auf begeisternde, mitreißende Weise.
Das wusste neben vielen Kulturfreunden – der Besuch wäre als klar über par zu bezeichnen – auch Bernhard Berberich zu goutieren, der für den „Freundeskreis Erftaldomorgel“ eine kompakte Einführung gewährte. Er ließ nicht unerwähnt, dass Martin Dücker die Vleugels-Orgel bereits kennt, führte er doch nach der Sanierung die Endabnahme im Auftrag der Erzdiözese Freiburg durch.
Nun kam auch der Maestro zu Wort: Höchst sympathisch informierte Dücker über die einzelnen Stücke, ehe er den Abend mit „Introduktion und Passacaglia“ in d-Moll nach Max Reger eröffnete – einem spektralen Klangzyklus, der virtuos-zauberhafte Melodien höchster Reinheit beinhaltete: Vortrefflich! Zum Träumen und Nachdenken anregend, erwies sich das Werk als passender Einstieg.
Dass Orgelmusik auch ohne die Bach’sche Schwere auskommen und wirken kann, bewiesen Musiker und Instrument sodann mit dem Two-Step-Marsch „Blaze Away!“ nach Abe Holzmann, den Dücker nach Art einer herannahenden Blaskapelle spielte – nur eben an der Orgel, was durchaus sehr interessant anmutete. Zunächst schien der Klang aus der Ferne zu kommen, dann wurde er immer prägnanter, eine ernste und heitere Klangfarbenvielfalt: Nomen est omen!
Gar dramatisch folgte der wuchtige Choral Nr. 3 in a-Moll nach Cesar Franck: Warme, beruhigende und dabei äußerst druckvolle Klänge konkurrierten mit filigranen Tonfolgen, um die Gunst des Auditoriums - freilich ohne den jeweiligen Gegenpol auszustechen.
Glanzvoll in Komposition und Umsetzung und zugleich eine Verbeugung vor der wunderbaren Ilse Werner (1921 – 2005) war die „Ragtime“.
Energiegeladenes Stück
Aus dem Schaffen des Gegenwartskomponisten Ralf Bölting hatte Dücker ein ungemein energiegeladenes Stück ausgewählt, das mit imposanter Fetzigkeit gerade durch Mark und Bein ging - ein Königreich für die Improvisationskunst! Die hierbei entstehende Freude vermochte sich leider nicht über die Tatsache der munter voranschreitenden Uhrzeiger zu stellen: Allmählich näherte man sich dem Ende des Konzerts. Das tat man mit der breitspurigen, wehklagend-mahnend erscheinenden „Sonate Nr. 3“ in a-Moll (op. 23), die August Gottfried Richter im 19. Jahrhundert vollendet hatte, sowie den drei irischen Volksliedern „The Bard of Armagh“, „Reel Slow Air“ und „The Sail Round The Rocks“ nach Dorothy Parke – verspielt, fast putzig anmutend, jedenfalls locker und schwerelos.
Sehr elegant geriet schließlich das „Finale“: Gleichnamige, in D-Dur komponierte Symphonie für Orgel nach Charles Marie Widor vollendete würdevoll einen Konzertabend, der unter die Haut ging - ernst und heiter zugleich. ad
Die Reihe der Orgelkonzerte wird im kommenden Jahr fortgesetzt. Weiteres im Internet unter www.erftaldomorgel.de..

