Herbstklänge voll Poesie und Kraft

Christian Bischof begeisterte seine Zuhörer in der Pfarrkirche St. Alban mit goldenen Tönen für die goldene Jahreszeit. Foto: Adrian Brosch
Farben des Herbstes in Klang verwandelt
Orgelkonzert mit Diözesanmusikdirektor Christian Bischof: „Herbstklänge“ voller Poesie und Kraft erklangen in St. Alban
Hardheim. (adb) In musikalischer Hinsicht hoher Besuch weilte am Wochenende in Hardheim: Das dritte – und letzte – Orgelkonzert des Jahres gestaltete am Sonntag Diözesanmusikdirektor Christian Bischof. Der Münchner präsentierte Gehaltvolles: Er brachte die Vleugels-Orgel mit dem Zyklus „Herbstklänge – Orgelwerke voller Poesie und Kraft“ zum Klingen.
Der rege Besucherstrom gab dem Freundeskreis Erftaldomorgel, für den Bernhard Berberich ein kurzes Gruß- und Dankeswort sprach, Recht: Zahlreiche Kulturfreunde hatten sich in St. Alban eingefunden, was nicht nur Berberich freute. Er verwies auf mehr als 60 Orgelkonzerte, die der Freundeskreis seit 2002 organisiert hatte. Im nächsten Jahr werde die Reihe fortgeführt. Kompakt informierte noch Christian Bischof über sein Ansinnen, passend zum herbstlichen „Blätterwald“ ein betont „farbiges“ Programm zusammenzustellen. Weitere Hinweise dazu erteilte Orgelbaumeister Hans-Georg Vleugels.
Das Konzert bestimmten fünf opulente Werke, von denen zwei – das erste und das letzte – explizit für die Orgel komponiert wurden. Den Anfang machte eine klangstarke Hommage an Johann Sebastian Bach, dessen Todestag sich im Juli zum 275. Mal gejährt hatte: „Passacaglia et thema fugatum“ (BWV 582) erwies sich als fulminanter Einstieg – nicht frei von jener Bach oft zugeschriebenen Wucht, aber weder drückend noch aufdringlich. Mit beeindruckendem Gefühl für das edle Instrument interpretierte Christian Bischof 21 Variationen in c-Moll, zog das Publikum mit flirrend-magischen Klängen in seinen Bann und gewährte einen markanten Hörgenuss, der vielleicht stellvertretend für manches bleiern anmutende Herbstgefühl der Vergänglichkeit stehen mag. Was fraglos das Schöne an der Musik ist: Jedes Stück kann man als aufmerksamer Zuhörer frei für sich deuten – erst recht bei rein instrumentalen Werken.
Mit jenem Leben erfüllt wurde die Orgel auch bei Gabriel Faurés „Sicilienne“: ein Opus, das die Wandlungsfähigkeit sowohl der Komposition als auch des Instruments unterstrich – letztere sehr getragen und elegant, fast meditativ mit sakral anmutenden Elementen, ein Kontrast zur mächtigen Ouvertüre.
Mit „L’Autumno“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ bewegte man sich der bekannteren Klassik entgegen: Ein stilvoller Gruß an die aktuelle Jahreszeit, so lebhaft und bunt wie der Herbst, dabei erfreulich detailversessen gespielt.
Die „Herbstklänge“ lebten nicht nur vom virtuosen Spiel. Auch die Kontraste der Werke zueinander wussten das Publikum zu berühren: Dafür stand etwa „Nocturne“ in f-Moll (op. 55) nach Frédéric Chopin – ein durch und durch getragenes Andante in lieblich-verträumter Atmosphäre.
Die musikalische Korrelation rundete einen Abend ab, der in jeder Hinsicht höchste Ansprüche zu erfüllen vermochte: Franz Liszts Schaffen wurden Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“ entnommen. Ein historisch bedeutsames, gleichsam gigantisches Werk, hervorragend gespielt und inszeniert – Beifall und Zustimmung waren des Künstlers verdienter Lohn.
 
Info: Die Konzertreihe wird am 1. März fortgesetzt.  Informationen unter www.erftaldomorgel.de .
 
Programm: 
 
Johann Sebastian Bach
1685–1750    
          
Passacaglia et thema fugatum c-Moll
BWV 582   
Gabriel Fauré
1845–1924
 
Sicilienne aus “Pelléas & Mélisande”
Orgeltranskribtion: L. Robilliard
Antonio Vivaldi
1678–1741
 
 
Die Vier Jahreszeiten
L’autunno – Der Herbst
op.8, RV. 293 - arr. J. Scott Autumn
I. Allegro
Frédéric Chopin
1810–1849
 
Nocturne f-Moll op.55 Nr. 1
Orgelbearbeitung: Christian Bischof
Franz Liszt 
1811–1886
Fantasie und Fuge über den Choral
„Ad nos, ad salutarem undam“
I. Fantasie c-moll
● (Moderato – a capriccio)
II. Adagio Fis-Dur
●  (Adagio – un poco più di moto – Allegro deciso)
III. Fuge c-Moll
● (Fuga – vivace molto – più mosso)
 
Vita von Christian Bischof, München
 
Der aus Bamberg stammende Christian Bischof ist seit 2013 Kirchenmusiker und Organist
an der großen Stadtpfarrkirche St. Margaret in München. 2020 wurde er zum stellvertretenden Dözesanmusikdirektor ernannt und leitet damit die Kirchenmusikausbildung im Erzbistum München und Freising sowie die „Münchener Kantorenschule“. Seit 2023 ist er dort zusätzlich als amtlicher Orgelsachverständiger und Verantwortlicher für das Orgelwesen tätig; daneben ist auch als Konzertorganist im In- und Ausland gefragt.
Nach dem Abitur studierte Bischof Kirchenmusik (A-Examen) mit den Hauptfächern Orgel und Chorleitung an der Hochschule für Musik in Würzburg sowie an der Musikhögskolan in Piteå/Schweden. Während seiner Studienzeit war er Stipendiat der Studienstiftung der
Deutschen Bischofskonferenz "Cusanuswerk". 2011 schloss er sein Studium mit dem Meisterklassendiplom im Fach Orgel ab. Frühere musikalische Wirkungsstätten des Künstlers waren Bamberg, die Augustinerkirche in Würzburg, die Benediktinerabtei Scheyern und Nürnberg, wo er zuletzt künstlerischer Leiter des Kammerchores Nürnberg war. 2018 rief er in der Klosterkirche Schäftlarn eine Orgelmatineereihe ins Leben.
Bischof unterrichtete als Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik Würzburg und auf verschiedenen Meisterkursen, zudem ist er als Juror tätig. Zahlreiche Konzerte als Dirigent und Organist führten ihn in viele europäische Länder, in die USA und nach Russland.