Professor Norbert Düchtel und Christian Weiherer begeisterten
Orgelkünstler boten faszinierende Improvisation

Quelle: Foto Zegewitz

Bericht über das Konzert von FN-Redakteurin Sabine ErbacherHardheim. Was mit drei Stücken aus Felix Mendelssohn-Bartholdys "Ein Sommernachtstraum" begann, wurde am Sonntag in der Hardheimer Pfarrkirche St. Alban zu einem fesselnden "Winternachtstraum": Die Orgelimprovisationskünstler Professor Norbert Düchtel (Regensburg/Detmold) und Chordirektor Christian Weiherer (Regensburg/Memmingen) präsentierten wie bereits 2004 beim "Karneval der Tiere" ihre faszinierenden vierhändigen und vierfüßigen Orgelinterpretationen bekannter Orchesterwerke. Alle Orgelbearbeitungen des Konzertprogramms entsprangen dem kreativen Schaffen der beiden Organisten.

Nachdem Pfarrgemeinderatsvorsitzender Bernhard Berberich die zahlreichen Besucher des ersten großen Orgelkonzertes dieses Jahres im Erftaldom begrüßt hatte, begann mit der Ouvertüre des "Sommernachtstraums" ein Wechselspiel zwischen Fern und Nah. Von weit her fanden leise Melodien den Weg zu den Ohren der Zuhörer, wurden immer konkreter und mächtiger bis sie einem zarten Wind gleich wieder entschwanden. Die schlussendliche Dramatik wurde vom Zauber des "Notturno" abgelöst. Beim allseits bekannten "Hochzeitsmarsch" zog Claudia Düchtel für ihren Mann und dessen Mitstreiter Christian Weiherer die größeren Register der Vleugels-Orgel. Der vertonte Jubel über den Entschluss zweier Menschen, gemeinsam durch das Leben auf der Erde zu schreiten, stieg so feierlich zum Himmel auf.

Mit vier Werken aus der "Peer Gynt-Suite I" von Edvard Grieg folgte intensive Programmmusik. Mitten am Abend brach "Morgenstimmung" über die verzückt lauschenden Orgelmusikliebhaber herein. Erste Sonnenstrahlen läuteten sanft, aber beständig, den Kampf des neuen Tages gegen die Nacht ein - bis schließlich das starke Licht die Dunkelheit und Kälte vertreibt und seine Wärme den Vögeln Energie für ihre Lieder gibt.

In den ruhigen und getragenen Mollklängen von "Ases Tod" war das Dunkle jedoch wieder da. Trauer, Abschied nehmen und das zu Grabe Schreiten sprach aus dieser Musik. "Anitras Tanz", ein Walzer im "Tempo di Mazurka", verband mit seiner fröhlich hüpfenden Melodie und unterschwelligen Tragik die heiteren und schweren Momente des Lebens. Hatten Norbert Düchtel und Christian Weiherer bisher in großer technischer Perfektion und harmonischem Zusammenspiel mit ihren vier Händen fließende Melodien aus einem Guss erzeugt, so betätigten sie nun mit ihren vier Füßen die großen Pedale unter dem Spieltisch der Vleugels-Orgel: "In der Halle des Bergkönigs" grollte es gewaltig.

Verspielt und nahezu humorvoll erklang Joseph Strauß Polka francaise mit dem Titel "En passent" in der Pfarrkirche St. Alban. Mehrmals bremsten Norbert Düchtel und Christian Weiherer gleichzeitig ihren Melodiefluss, um im nächsten Moment mit neuem Schwung weiterzuspielen. Die Zeit verweilt und geht doch rasch vorüber, hätte die Botschaft lauten können.

Die schnelle "Tik-Tak-Polka" nach Motiven der Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauß wirbelte zackig und flott durch den Erftaldom. Obwohl sich die Wege der Hände und Füße der beiden Organisten immer wieder kreuzten und Claudia Düchtel beim Blättern "höllisch" aufpassen musste, warteten Norbert Düchtel und Christian Weiherer mit Spezialeffekten in der Tradition des Walzerkönigs auf.

Maurice Ravels "Bolero" machten die Orgelimprovisationskünstler auch an ihrem Instrument zu einem Klangerlebnis. Der markante Rhythmus lief durch, die Melodie, die beim Original durch verschiedene Orchesterstimmen wechselt, fand in den entsprechenden Registern ihre Heimat und verdichtete sich zum großen Finale.

Die Zuhörer, die es nicht mehr auf ihren Plätzen hielt, brachten mit dieser Geste und langanhaltendem Applaus ihre Begeisterung zum Ausdruck.

Auch nach der Zugabe aus Georges Bizets "Carmen" feierten die Konzertbesucher Norbert Düchtel und Christian Weiherer. Hans Georg Vleugels dankte den Interpreten für das "außergewöhnliche Erlebnis" und würdigte die Leistung der beiden Organisten, bekannte Musik für Orgel umzuschreiben. Norbert Düchtel betonte, dass es unheimlich viel Freude mache, in Hardheim zu spielen. Das Eingebundensein in den familiären Betrieb von Hans Georg und Silvia Vleugels und die Treue des Publikums tue gut. Dem Einsatz der beiden Inhaber der Orgelmanufaktur Vleugels ist es zu verdanken, dass Norbert Düchtel und Christian Weiherer nach ihrer legendären Aufführung des "Karneval der Tiere" am 8. Februar 2004 mit 800 Zuhörern nochmals in einer ruhigen Nacht dieses Konzertprogramm auf der Vleugels-Orgel im Erftaldom spielten. Der von Dr. Norbert Blüm rezitierte Text wurde hinzugefügt - die so entstandene und von den Akteuren handsignierte CD wurde am Sonntag erstmals vorgestellt und stieß auf großes Interesse. bine

© Fränkische Nachrichten - 07.02.2006 - Bild Repro FN

Papst-Orgel bereit für die Reise nach Rom

Quelle: Foto Zegewitz

Zum Ende des Orgelkonzertes am Sonntag in Hardheim gab es eine faustdicke Überraschung: Diese verbarg sich während der Aufführung unter großen, blauen Tüchern vor dem Altar des Erftaldoms. Hans Georg Vleugels lüftete später das Geheimnis der "seltsamen Altäre": Zwei Truhenorgeln kamen zum Vorschein. Die linke, hellere ist für ein Nonnenkloster in Kroatien bestimmt. Die rechte geht bald auf Reise in den Vatikan. Sie ist ein Geschenk des Hauses Vleugels für Papst Benedikt XVI. (die FN berichteten). Am Sonntag wurde das tischgroße Instrument - erstmals fertig aufgebaut und mit dem Papstwappen als Intarsienarbeit versehen - der Öffentlichkeit vorgestellt. Norbert Düchtels und Christian Weiherers Spielfreude blühte auf den beiden kleinen, aber feinen Truhenorgeln mit dem 1. Satz von Mozarts "Nachtmusik" nochmals auf - nun gut sichtbar für alle Konzertbesucher. So mancher ließ es sich vor dem Nachhausegehen nicht nehmen, über das Kirschholz der "Papstorgel" zu streichen, selbst einen Akkord auf dem besonderen Instrument anzuschlagen oder das Papstwappen genauer in Augenschein zu nehmen. bine/Bild: Repro FN

© Fränkische Nachrichten - 07.02.2006

Papst Benedikt XVI. sichtlich erfreut über das Orgel-Geschenk der Familie Vleugels aus Hardheim

Diesen Tag werden Hans-Georg Vleugels, seine Frau Silvia und die Kinder Caroline und Johannes sicher nie in ihrem Leben vergessen: Am Mittwoch Vormittag überreichte die Orgelbauerfamilie im Rahmen einer Papstaudienz auf dem Petersplatz in Rom Papst Benedikt XVI. als Geschenk eine in der Hardheimer Orgelmanufactur gefertigte Truhenorgel (links). Mit dabei waren der bekannte Organist Professor Norbert Düchtel und seine Frau aus Regensburg (rechtes Bild). Ein Fernsehteam des SWR filmte dieses medienwirksame Ereignis von der Abreise aus dem Erftal am Montagmorgen an. Familie Vleugels transportierte die wertvolle Fracht persönlich in einem Kleintransporter in die Heilige Stadt. Nach rund 1200 Kilometer in Rom angelangt, wurde das Instrument am Dienstag im Büro von Erzbischof Marini im Damaskus Hof an Monsignore Vigano und Ingenieur Signore Sagretti übergeben, um die technischen Funktionen zu erläutern und um die Orgel einem Sicherheitscheck zu unterziehen. Das sommerliche Wetter vom Dienstag hielt sich leider nicht bis zum nächsten Tag: Trotz des Regens fanden sich am Mittwochvormittag auf dem Petersplatz zig-Tausende Pilger aus aller Welt ein. Pünktlich zum Beginn der Papstaudienz hörte der Regen auf und die Sonne schaute hervor. Familie Vleugels und Düchtel hatten auf der Ehrentribüne vor dem Petersdom Platz genommen, um am Ende der Audienz persönlich das inzwischen als "Papstorgel" hinlänglich bekannte Instrument zu übergeben können. Während der Audienz wurde die Orgel gespielt, allerdings konnte sie nicht auf der Tribüne des Petersplatzes stehen, da das Wetter zu unsicher war. So erklang die kleine Orgel aus dem Innern des Petersdomes über eine Verstärkeranlage nach außen. Am Ende der Generalaudienz kam Papst Benedikt persönlich zu Familie Vleugels, um das großzügige Geschenk entgegenzunehmen. Er zeigte große Freude darüber, dass nun auch die Capella Paolina, nach ihrer zurzeit laufenden Renovierung, ein adäquates Instrument haben wird. Er bedankte sich bei der Hardheimer Orgelbauerfamilie persönlich für dieses Geschenk. "Dieser Moment des persönlichen Dankes war für alle ein erhebender Augenblick", so Silvia Vleugels gegenüber den FN. Ebenso für das Ehepaar Düchtel, mit dem der Papst ebenfalls einigte Worte wechselte. Der Fernsehbeitrag des SWR-Teams über die Papstorgel aus Hardheim wird am heutigen Freitag im Regionalprogramm Südwest in der Landesschau zwischen 18.45 und 19.45 Uhr und in Baden-Württemberg Aktuell (21.45 Uhr) zu sehen sein. vleu/i.E./Repros: FN

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