Orgel und 2 Drehorgeln

Konzert: Die Königin der Instrumente und ihre kleinen Prinzen

20. Juni 2018Autor: Z

Drei hervorragende und besondere Musiker boten in Hardheim ein besonderes Konzert: Johannes Mayr (Mittw) spielte die Vleugels-Orgel, Winfried Klein (links) und Elisabeth Wolf (rechts) Drehorgeln.

© Elmar Zegewitz

Drei hervorragende und besondere Musiker boten in Hardheim ein besonderes Konzert: Johannes Mayr (Mittw) spielte die Vleugels-Orgel, Winfried Klein (links) und Elisabeth Wolf (rechts) Drehorgeln.

© Elmar Zegewitz
Die große Vleugels-Orgel und zwei Drehorgeln erklangen am Sonntag beim Kirchenkonzert in der katholischen Pfarrkirche St. Alban in Hardheim.

Hardheim. Die Hardheimer Kirchenkonzerte, veranstaltet vom Freundeskreis Erftaldomorgel unter Mithilfe der Orgamanufactur Vleugels, sind schon immer für ihre besondere Qualität und ihre ausgefallenen und oft außergewöhnlichen Programme bekannt.

Im aktuellen Fall spielte nicht nur ein hervorragender, prominenter Organist die Orgel, die Besucher erwartete auch ein sehr ungewöhnliches Zusammenspiel mit zwei weiteren Instrumenten – nämlich Drehorgeln.

Diese Veranstaltung war ganz prosaisch mit der Formulierung „Die Königin der Instrumente und ihre kleinen Prinzen“ angekündigt. Hierbei garantierte der erfolgreiche Domorganist von St. Eberhard in Stuttgart, Johannes Mayr, absolut niveauvolles und genussreiches Orgelspiel. Die beiden Drehorgelspieler Winfried Klein und Elisabeth Wolf erbrachten und Nachweis der Hoffähigkeit den Kirchentauglichkeit ihrer nostalgischen mechanischen Drehorgel.

Arrangeur und Bänderstanzer

Winfried Klein studierte, wie er den Zuhörern erzählte, in Rottenburg Kirchenmusik und war über 30 Jahre lang in Bayern als Organist und Chorleiter hauptberuflich tätig. Nach einem folgenschweren Handunfall machte er sich als Musikarrangeur und Bänderstanzer selbstständig und sein Hobby zusammen mit seiner Partnerin Elisabeth Wolf zum Beruf. Bereits vor dem Konzert, das infolge des WM-Deutschland-Spiels um eine Stunde verlegt worden war, und auch im Anschluss an das Konzert erläuterte Klein den interessierten Besuchern die Funktionsweise der Drehorgeln sowie alles Wichtige rund um dieses Instrument und beantwortete diesbezügliche Fragen. Er verdeutlichte, dass „Leierkästen“ keineswegs nur „Straßen- und Bettlerinstrumente“ sind, sondern eben auch kirchentauglich.

Für ihn als Arrangeur sei es eine große Herausforderung, einen gewünschten Musiktitel mit nur 20 oder 28 vorhandene Tönen wiederzugeben. Es sei eine Kunst, Melodie und Bass und zudem noch besondere Effekte und Spielereien hörbar werden zu lassen.

Im Verlauf des Kirchenkonzertes konnten die Besucher dann selbst hören, wie sich Drehorgelklänge in der Kirchenmusik – bei anspruchsvollen Werken – anhören.

Auf jeden Fall bereitete das Musikprogramm mit den ausgesuchten Werken, allen voran beim spieltechnisch hervorragend gelungenen Zusammenspiel von Kirchenorgel und Drehorgel sowie der beiden Drehorgeln miteinander, aber auch mit den Solostücken der einzelnen Instrumente viel Freude und fand am Ende den verdienten Beifall.

Mit der „größeren“ 28-Ton- Drehorgel eröffnete Winfried Klein das Programm mit Adagio und Allegro von Carl Philipp Emanuel Bach, ehe Johannes Mayr an der Kirchenorgel mit viel Einfühlungsvermögen die vielgestaltige Sonate IV D-Dur mit Allegro non molto, Andante und Allegro von P. Franz Xaver Schnitzer (1740 – 1785) vom Benediktinerstift Ottobeuern folgen ließ. Diese wies mit ihrer musikalischen Vielfalt sowohl mächtige und mitreißende Klänge, vor allem aber auch festliche und innige sowie heiter-frohe Passagen auf. Der von Elisabeth Wolf auf der 20-Ton-Drehorgel gespielte Marsch Nr. 1 Perger Verz. 59 von Michael Haydn kam ebenso gut an wie das an der 28er Drehorgel von Winfried Klein intonierte „Lied des Drehorgelspielers“ aus dem Kinderalbum op. 39 von Piotr Iljitsch Tschaikowsky.

Eine Rarität stellte das „Orgelstück für eine Uhr“ KV 608 mit Allegro, Andante und Allegro von W. A, Mozart dar. Dieses erwies sich bei der Interpretation durch Johannes Mayr an der Kirchenorgel als eine Besonderheit der klassischen Zeit, in der die Flötenuhren eine Art mechanischer Spielautomaten mit Orgelpfeifen waren. Für diese vom Publikum geliebten Apparate schrieb auch Mozart wegen der guten Honorare. Sein Werk erwies sich in den einzelnen Sätzen sowohl als eingängig und innig-andachtsvoll als auch im Allegro apart und mit akzentuiertem Finale.

Es folgten im Wechselspiel von 20er Drehorgel und Kirchenorgel die Präludien Nr. 9, 13, 14 und 15 von Johann Christian Herrmann. Seinem Titel alle Ehre machte das im konzertanten Miteinander von 28er und 20er Drehorgel gespielte Divertimento „Das Echo“ von Joseph Haydn, auf das eine brillant von Johannes Mayr dargebotene „Echo-Improvisation“ auf der Kirchenorgel folgte. Als absoluter Höhepunkt des Konzertes mit sehr hohem Schwierigkeitsgrad für die Ausführenden erklang die d-Moll Toccata und Fuge von Johann Sebastian Bach im flüssig ineinandergreifenden, abwechselnden Spiel von Drehorgeln und Kirchenorgel, die instrumental harmonisch aufeinander abgestimmt waren und das Werk mit seinen teils bombastischen Klängen optimal zur Geltung brachten.

Mit ihrem langanhaltenden Beifall erklatschten sich die Besucher verschiedene Zugaben.

Bernhard Berberich übernahm seitens der Veranstalter eingangs die Begrüßung von Besuchern und Musikern. Abschließend überreichte er an die Akteure als Zeichen des Dankes Erinnerungsgaben. Die Musiker selbst warteten mit kurzen Informationen zu ihren Beiträgen auf. Z

© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 20.06.2018