Eröffnung der Konzertreihe: Prof. Petr Eben, Prag spielt die neue Vleugels-Orgel



Prof. Petr Eben, Prag spielt die neue Vleugels-Orgel
 

Quelle: Petr Eben Privat

 
Hardheim. Orgelimprovisationen vom Feinsten gab es heute in Hardheim: Der Prager tschechische Musiker Professor Petr Eben, der zu den bedeutendsten Komponisten der Gegenwart gehört, spielte an der neuen Vleugels-Orgel des Erftaldomes ein Improvisationskonzert zu Texten von Johannes Amos Comenius zu hören. Der Schauspieler Gerald Friese aus Stuttgart rezitierte die Meditationstexte als Grundlage für die Improvisation.
 Die dem Improvisationskonzert zugrunde liegenden Texte stammen von Johannes Amos Comenius (1592 bis 1670), humanistischer Philosoph, Schriftsteller, Polyhistoriker, Theologe und letzter Bischof der Böhmischen Brüder). Eines seiner wohl interessantesten Werke ist das Buch "Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens" - eine allegorische Schrift, die eine fast satirische Kritik an der Gesellschaft mit tiefer theologischer Sicht und rührendem Glauben verbindet. Comenius schildert darin die Geschichte eines Pilgers, der die Welt mit all ihren Landschaften von Gut und Böse durchschreitet und am Ende zu sich selbst und zu seinem Gott findet. Petr Eben hat Auszüge aus diesem Werk aufgegriffen und in einem 13-teiligen Zyklus musikalisch umgesetzt. Seine Orgel-Improvisationen schöpfen aus seinem eigenen motivischen Material, zitieren mitunter aber auch Comenius-Choräle aus dem Amsterdamer Kanzional. Das Ergebnis ist eine Kombination von Ebens moderner Tonsprache mit der Tradition der Choräle der Böhmischen Brüder.

 Fränkische Nachrichten

 27. April 2002


Empfang im Rathaus für Komponist Petr Eben

Hardheim. "Ich bin überzeugt, dass die alte Stadt Hardheim zu den Schönheiten der Welt gehört und ich bin dankbar, dass ich hier die schöne Vleugels-Orgel spielen konnte", schrieb Professor Petr Eben ins Goldene Buch der Gemeinde. Es sei ihm eine Freude, einen so bekannten Komponisten und Orgelkünstler in den Mauern Hardeims zu wissen, gab Bürgermeister Heribert Fouquet das Lob an den Gast aus Tschechien zurück, zu dessen Ehren die Gemeinde am Samstagvormittag im Rathaus einen kleinen Empfang vorbereitet hatte. Bei einem Glas Sekt plauderte man über die internationale Tätigkeit von Professor Eben, die Fouquet scherzhaft auf den Nenner brachte: "London, New York, Hardheim . . ." Die Frau des Komponisten schwärmte von der "Ferienlandschaft" im Erftal und Orgelbaumeister Hans-Georg Vleugels, dank dessen guten Kontakten der Besuch ermöglicht wurde, berichtete über das Engagement seines Unternehmens in Tschechien, das mit der Renovierung der berühmten Smetana-Orgel in Prag seinen Anfang genommen hat. Grüße der Pfarrgemeinde übermittelte stellvertretend Bernhard Berberich. Als Erinnerungsgeschenk überreichte der Bürgermeister an Professor Eben den Ehrenteller der Gemeinde Hardheim. i.E.

 Fränkische Nachrichten
 29. April 2002

Orgelsymposium sprach alle Sinne an


"Orgel, Kunst und Genuss" bei der Firma Vleugels in Hardheim / Vorträge und Vorführungen Hardheim. Es war eine rundum gelungene, überzeugende Kombination von orgelbaulichen Themen, Kunst (Dichtung, Malerei) und Genuss, welche die Orgelmanufactur Vleugels am Samstag für ein erlesenes Fachpublikum zusammengestellt hatte. Inhaltlich tief schürfend und dennoch an keiner Stelle langatmig, fügten sich die Komponenten zu einer harmonischen Komposition zusammen, die noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. Als kulturelles Highlight besonderer Art und Güte angekündigt, wurde das halbtägige Symposium diesem Anspruch vollauf gerecht. Hochkarätige Architekten, Künstler, Organisten, Pfarrer, Sachverständige und Freunde des Hauses gaben sich ein Stelldichein, gestalteten das interessante und thematisch vielfältige Kunstforum. Sie beleuchteten von den verschiedensten Seiten die vielfältigen Nuancen des orgelbaulichen Schaffens.

 Die Hardheimer Orgelmanufactur verwandelte sich für einen halben Tag in eine Mischung aus Werkstatt, Kunstausstellung und Feinschmeckerküche, garniert mit Vorträgen, Musik, Lesungen und handwerkliche Vorführungen. Ihren Höhepunkt fand die Veranstaltung in dem Orgelkonzert des berühmten tschechischen Komponisten und Orgelkünstlers Professor Petr Eben in der Hardheimer Pfarrkirche St. Alban, über das die FN auf ihrer Feuilleton-Seite ausführlich berichten.

 Unerwartet großer Zuspruch

 Orgelbaumeister Hans-Georg Vleugels freute sich in seiner Begrüßungsansprache über den unerwartet großen Zuspruch ebenso wie über den beachtlichen persönlichen Einsatz seiner Mitarbeiter und Familienangehörigen, die für den reibungslosen Ablauf verantwortlich zeichneten. Warumman sich ohne konkreten Anlass die Mühen einer derartigen Großveranstaltung aufgebürdet hatte? Vleugels nannte gleich mehrere Gründe: Zum einen seien nur selten komplett spielbare Orgeln in seinem Hause aufgebaut wie derzeit das neue Instrument der neuapostolischen Kirche Mühlacker.

Dieses, so eine weitere Besonderheit, wurde gleich im "Doppelpack" konzipiert, da auch der Kirchenraum, für den es bestimmt ist, zweimal in gleicher Ausführung gebaut wird. Daneben gelte es, den ersten Neubauauftrag der Firma Vleugels in Österreich (St. Anna in Blindenmarkt) zu feiern. Außerdem bot der Tag Gelegenheit, die Orgelbauer nicht nur als Handwerker, sondern auch als Künstler kennen zu lernen. Die Mitarbeiter der Firma Vleugels ließen sich bei ihrer Arbeit ebenso über die Schulter schauen wie Holzbildhauer und Maler: Beispielsweise Jacques Gassmann, von der Firma Völkl gerade beauftragt mit der künstlerischen Gestaltung von Snowboards. Er hatte die Vleugels-Werkstatt mit seinen Gemälden im Stil eines Ateliers ausgestaltet und erläuterte sowohl Bilder wie Maltechniken, während Michael Schauerte, spezialisiert auf die Fertigung der kleinsten funktionsfähigen Orgelpfeifen der Welt, Schau-Löten demonstrierte.

Komposition mehrerer Künste

Holzbildhauermeister Robert Voit aus Warmensteinach zeigte seine handwerklichen Fähigkeiten in der traditionellen Holzbearbeitung. Musikalisch erfreuten Regionalkantor Peter Schaefer aus Klingenberg (Orgel) und Ute Heininger-Lippert (Querflöte) die Gäste, während der renommierte Küchenchef Wolfgang Staudenmaier von "Da Gianni" in Mannheim mit seinen kulinarischen Köstlichkeiten die Gaumen verwöhnte. "Der eigentliche Aufhänger für diese Veranstaltung", so Hans-Georg Vleugels, "war jedoch die Terminzusage des viel beschäftigten und gefragten international bekannten Professors Petr Eben". Dieser stellte dem interessiert lauschenden Auditorium sein Leben und kompositorisches Schaffen inmitten von Unfreiheit und Verfolgung in Böhmen und dem späteren Tschechien vor. Mit zehn Jahren war er bereits Organist und leitete den Kirchenchor. "Während der grausamen Totalität der Kommunisten in der 50-er Jahren war Musik das einzige Mittel, um in abstrakter Sprache Glaubensbotschaften zu übermitteln." Eine Aufgabe, die dem gesamten kompositorischen Schaffen Ebens zugrunde liegt. Auch Volkslieder und gregorianischer Choral hatten Einfluss auf seine Werke, wie er an ausgewählten Musikbeispielen verdeutlichte.

"Musikalische Harmonien in der Architektur" beleuchtete Jürgen Häusser aus Stuttgart, Hauptarchitekt der neuapostolischen Kirche im süddeutschen Raum. Sein Blick reichte weit zurück bis zu Phytagoras, dem Begründer der theoretischen Musiklehre. Häusser kam auf die Fortentwicklung des harmonischen Denkens in der Renaissance und die Methodik der Proportionierung eines Raumes zu sprechen. Auch heute noch gebe es zwar Beispiele für harmonikales Bauen. Es fehle jedoch größtenteils das Wissen um solche Entwurfsmethoden. Anders im Orgelbau, wo der Hörgenuss und die Ästhetik für das Auge in idealer Weise vereinigt würden.

"Der Wille, nicht zur Zeitgenossenschaft zu gelangen, scheint beherrschend", analysierte Dr. Jürgen Lenssen die "zeitgemäße künstlerische Innengestaltung von Kirchen". Aber dies sei keineswegs nur ein Phänomen der Neuzeit. Die Sehnsucht nach einer Welt, die anders ist als die Gegenwart, könne in jeder Epoche nachgewiesen werden, beleuchtete der Domkapitular und Kunstreferent der Diözese Würzburg ausgehend vom jeweiligen Menschen- und Glaubensbild das geschichtliche Umfeld und dessen Auswirkungen auf den Sakralbau.

Bewahren und erneuern

 Nach der "Bilderstürmerei" der 50-er Jahre setzte eine liturgische Erneuerung ein, die in das 2. Vatikanische Konzil mündete. Wie man heute mit historischen Kirchen umgeht? "Die Diözese Würzburg hat den Weg der Zeitgenossenschaft beschritten unter dem Motto 'Bewahren und erneuern'", erläuterte der Referent. Lenssen selbst ist bemüht, den "Ausdruck unserer Zeit" bis in die kleinste Landgemeinde zu tragen und den liturgischen Orten ebenso wie den Bildwerken, Orgeln und deren Prospekten eine neue Wertigkeit zu verleihen, die auch im gestalterischen Bereich zum Ausdruck kommt.

Nach diesem erlesenen Programm besuchte man gemeinsam das Orgelkonzert von Professor Eben.

 Ingrid Eirich-Schaab

 Fränkische Nachrichten