
Quelle: Foto Zegewitz
© Zegewitz Hardheim. Wie ihr Traum von einer Einheit oder gar einer Art Symbiose von Judentum und Christentum zumindest beim Verschmelzen musikalischer Traditionen Realität wird, verdeutlichten die als "Queen of Klezmer" bezeichnete Klarinettistin Irith Gabriely (Darmstadt) und Dekanatskirchenmusiker Hans-Joachim Dumeier aus Michelstadt an der Vleugels-Orgel: Am Sonntag erlebten zahlreiche Zuhörer aus nah und fern im Hardheimer Erftaldom ein grandioses, spektakulär gestaltetes Konzert unter dem Motto "Church meets Synagogue".
Beide Musiker erwiesen sich als Spitzenkönner und präsentierten musikalisch eine interreligiöse Begegnung: einen christlich- jüdischen Dialog besonderer Art. Dabei ließen sie die Zuhörer die gegenseitige musikalische Verschmelzung verschiedener Musikrichtungen auf höchstem Niveau mit Melodien der Klezmermusik verspüren. Diese reichten von schwermütiger Trauer bis hin zu jubelnder und euphorischer Freude.
Trotz der räumlich großen Distanz zwischen dem Organisten auf der Empore und der Klarinettistin im Chorraum bildeten die beiden Künstler eine homogene Einheit und Harmonie.
Breite Palette von Emotionen
Irith Gabriely faszinierte mit ihrem instrumentalen Können und ihrer leidenschaftlichen Interpretation der ausgewählten Werke. Sie zauberte mit ihrer Moderation und ihrer Erscheinung - immer wieder auch die Nähe des Publikums suchend - mit ihrer Klarinette eine breite Palette von Emotionen.
Dabei reichten die Melodien der Klezmermusik mit ihren typischen Klängen des Ostjudentums von Tönen zum Ausdruck jubelnder Freude bis hin zu solchen tiefster Traurigkeit und waren dann nahezu "zum Weinen schön".
Mit ihrem kunstvollen instrumentalen Gestaltungsvermögen, mit den über die Klarinette wirbelnden Fingern, ergänzt mit choreographischen Einlagen von gemessenem Schreiten bis hin zu hüpfenden Bewegungen, Tanzen, Stampfen und rhythmischem Klatschen, faszinierte die Klarinettistin die Besucher. Spürbar wurden die nur "winzigen" Unterschiede zwischen den zwei Kulturen, die eigentlich Geschwister sind.
Besucher machten aktiv mit Irith Gabriely wartete auch mit Wissenswertem zur jüdischen Tradition auf. So gleiche ein jüdischer Gottesdienst musikalisch einem Gospelgottesdienst. Ihre Einladung zum aktiven Mitmachen stieß bei den Konzertbesuchern auf freudige Begeisterung. Auch witzige und schelmische Betrachtungen über das das jüdische Alltagsleben flossen ein. Darüber hinaus zeigte Irith Gabriely, dass sie auch den Schofar als einziges Instrument des Altertums beherrscht, dessen eigenwillige Klänge heute noch in der Synagoge erklingen.
Die einzelnen Werke des Konzerts gestalteten die beiden Künstler mit einfühlsamer Musikalität in souveräner Form und mit großem Einfühlungsvermögen. Sie vermochten dabei den Besuchern all deren wesentliche kompositorische Charakteristika zu verdeutlichen. Beispielsweise gleich zu Beginns bei dem Traditional "Friede und Shalom".
Sehr eindringlich gestalteten die beiden Künstler die Trias I, II und III von Albert Schönberger, ehe sie Johann Sebastian Bachs "Präludium c - Moll" und die "messianische Verkündung" von Irith Gabriely ineinander verschmelzen ließen.
Immer wieder begeistert waren die Besucher von den Klängen, die Irith Gabriely aus ihrer Klarinette zauberte, insbesondere bei der "Suite of Synagogue" mit "Mimkomo, Sheybonne und El Adon". Besonders beeindruckend war die charakterisierende musikalische Interpretation des Titels "Die jüdische Hochzeit".
Nach dem von Joachim Dumeier fantastisch gespielten Orgelsolostück "Prélude für Orgel" von Gabriel Pierné ließen die "Passacaglia" (Kol Nidre) und Variationen von Siegfried Würzburger die Erinnerung an die Reichskristallnacht und an die Deportation von Siegfried Würzburger mit wehmütigen Klängen und unüberhörbarem Klagen der Klarinette wach werden.
Musikalisches Gebet
Vergleichbar mit einem innigen und bittenden Gebet waren die aparten Klarinettenklänge bei "Nigun" aus "Three Pieces of Chassidic Life" von Ernst Bloch und die Einladung an die Besucher beim "Lied ohne Worte" laut mitzusingen. Dass das Gebet "oben" möglichst auch ankommt, dafür sorgte die Klarinette mit furios steigerndem Tempo.
Die Traditionals "Chassidic Song" und "Kadatschka" mit den Klängen der jubelnden Klarinette und den zum vollen Klang der Orgel gezogenen verschiedensten Registern rundeten das exzellente musikalische Angebot ab, ehe sich die Klarinettistin aus dem Mittelgang der Kirche, so wie sie auch eingezogen war, mit den Klängen der Klarinette verabschiedete.
Die Klarinette stand dann zum Abschied nochmals im Mittelpunkt, als sie leisen und innigen Tönen und gemäß den Gedanken "Gott bewahre und beschütze uns" zu abendlicher Ruhe verhalf. Dies allerdings erst nach dem langanhaltenden Applaus, der die Begeisterung der Besucher ausdrückte.
Bernhard Berberich bedankte sich bei den Künstlern mit einem kleinen Geschenk. Dieser hatte als Sprecher des "Freundeskreises Erftaldomorgel die Besucher auch zu Beginn willkommen geheißen. Unter ihnen die Mitglieder des Rotary Clubs Miltenberg mit dessen Präsident Hans-Georg Vleugels , dem er für die großzügige finanzielle Unterstützung zur Realisierung des Orgelkonzertes dankte. Grüßen ließ über Bernhard Berberich auch der Museumsverein Erftatal Hardheim, der die geplante Einrichtung einer Art (jüdischen) Kulturzentrums in der ehemaligen Hardheimer Synagoge realisieren möchte. Z
© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 12.11.2014
Beide Musiker erwiesen sich als Spitzenkönner und präsentierten musikalisch eine interreligiöse Begegnung: einen christlich- jüdischen Dialog besonderer Art. Dabei ließen sie die Zuhörer die gegenseitige musikalische Verschmelzung verschiedener Musikrichtungen auf höchstem Niveau mit Melodien der Klezmermusik verspüren. Diese reichten von schwermütiger Trauer bis hin zu jubelnder und euphorischer Freude.
Trotz der räumlich großen Distanz zwischen dem Organisten auf der Empore und der Klarinettistin im Chorraum bildeten die beiden Künstler eine homogene Einheit und Harmonie.
Breite Palette von Emotionen
Irith Gabriely faszinierte mit ihrem instrumentalen Können und ihrer leidenschaftlichen Interpretation der ausgewählten Werke. Sie zauberte mit ihrer Moderation und ihrer Erscheinung - immer wieder auch die Nähe des Publikums suchend - mit ihrer Klarinette eine breite Palette von Emotionen.
Dabei reichten die Melodien der Klezmermusik mit ihren typischen Klängen des Ostjudentums von Tönen zum Ausdruck jubelnder Freude bis hin zu solchen tiefster Traurigkeit und waren dann nahezu "zum Weinen schön".
Mit ihrem kunstvollen instrumentalen Gestaltungsvermögen, mit den über die Klarinette wirbelnden Fingern, ergänzt mit choreographischen Einlagen von gemessenem Schreiten bis hin zu hüpfenden Bewegungen, Tanzen, Stampfen und rhythmischem Klatschen, faszinierte die Klarinettistin die Besucher. Spürbar wurden die nur "winzigen" Unterschiede zwischen den zwei Kulturen, die eigentlich Geschwister sind.
Besucher machten aktiv mit Irith Gabriely wartete auch mit Wissenswertem zur jüdischen Tradition auf. So gleiche ein jüdischer Gottesdienst musikalisch einem Gospelgottesdienst. Ihre Einladung zum aktiven Mitmachen stieß bei den Konzertbesuchern auf freudige Begeisterung. Auch witzige und schelmische Betrachtungen über das das jüdische Alltagsleben flossen ein. Darüber hinaus zeigte Irith Gabriely, dass sie auch den Schofar als einziges Instrument des Altertums beherrscht, dessen eigenwillige Klänge heute noch in der Synagoge erklingen.
Die einzelnen Werke des Konzerts gestalteten die beiden Künstler mit einfühlsamer Musikalität in souveräner Form und mit großem Einfühlungsvermögen. Sie vermochten dabei den Besuchern all deren wesentliche kompositorische Charakteristika zu verdeutlichen. Beispielsweise gleich zu Beginns bei dem Traditional "Friede und Shalom".
Sehr eindringlich gestalteten die beiden Künstler die Trias I, II und III von Albert Schönberger, ehe sie Johann Sebastian Bachs "Präludium c - Moll" und die "messianische Verkündung" von Irith Gabriely ineinander verschmelzen ließen.
Immer wieder begeistert waren die Besucher von den Klängen, die Irith Gabriely aus ihrer Klarinette zauberte, insbesondere bei der "Suite of Synagogue" mit "Mimkomo, Sheybonne und El Adon". Besonders beeindruckend war die charakterisierende musikalische Interpretation des Titels "Die jüdische Hochzeit".
Nach dem von Joachim Dumeier fantastisch gespielten Orgelsolostück "Prélude für Orgel" von Gabriel Pierné ließen die "Passacaglia" (Kol Nidre) und Variationen von Siegfried Würzburger die Erinnerung an die Reichskristallnacht und an die Deportation von Siegfried Würzburger mit wehmütigen Klängen und unüberhörbarem Klagen der Klarinette wach werden.
Musikalisches Gebet
Vergleichbar mit einem innigen und bittenden Gebet waren die aparten Klarinettenklänge bei "Nigun" aus "Three Pieces of Chassidic Life" von Ernst Bloch und die Einladung an die Besucher beim "Lied ohne Worte" laut mitzusingen. Dass das Gebet "oben" möglichst auch ankommt, dafür sorgte die Klarinette mit furios steigerndem Tempo.
Die Traditionals "Chassidic Song" und "Kadatschka" mit den Klängen der jubelnden Klarinette und den zum vollen Klang der Orgel gezogenen verschiedensten Registern rundeten das exzellente musikalische Angebot ab, ehe sich die Klarinettistin aus dem Mittelgang der Kirche, so wie sie auch eingezogen war, mit den Klängen der Klarinette verabschiedete.
Die Klarinette stand dann zum Abschied nochmals im Mittelpunkt, als sie leisen und innigen Tönen und gemäß den Gedanken "Gott bewahre und beschütze uns" zu abendlicher Ruhe verhalf. Dies allerdings erst nach dem langanhaltenden Applaus, der die Begeisterung der Besucher ausdrückte.
Bernhard Berberich bedankte sich bei den Künstlern mit einem kleinen Geschenk. Dieser hatte als Sprecher des "Freundeskreises Erftaldomorgel die Besucher auch zu Beginn willkommen geheißen. Unter ihnen die Mitglieder des Rotary Clubs Miltenberg mit dessen Präsident Hans-Georg Vleugels , dem er für die großzügige finanzielle Unterstützung zur Realisierung des Orgelkonzertes dankte. Grüßen ließ über Bernhard Berberich auch der Museumsverein Erftatal Hardheim, der die geplante Einrichtung einer Art (jüdischen) Kulturzentrums in der ehemaligen Hardheimer Synagoge realisieren möchte. Z
© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 12.11.2014
