
Pfarrgemeinderatsvorsitzender Bernhard Berberich begrüßte die Konzertbesucher und skizzierte den künstlerischen Werdegang Alexander Fiseiskys. Der "derzeit bedeutenste und einflussreichste Organist Russlands" wurde in Moskau geboren und studierte am dortigen Konservatorium die Fächer Klavier und Orgel. Unter anderem ist Alexander Fiseisky heute Solo-Organist der Moskauer Staatlichen Philharmonischen Gesellschaft, künstlerischer Direktor vieler internationaler Orgelfestivals und Berater bei Orgelneubauten. 1997 wurde er von Präsident Boris Jelzin mit dem Titel "Verdienter Künstler Russlands" ausgezeichnet.
Zahlreiche Werke zeitgenössischer Komponisten seien dem Organisten, der Vorträge und Meisterklassen-Kurse an der Londoner "Royal Academy of Music" und den Musikhochschulen Hamburg und Wien abhält, gewidmet. Sogar das gesamte Orgelwerk von Bach spielte Alexander Fiseisky an einem Tag beim "Bach-Marathon" in Düsseldorf, informierte Berberich.
Ein Interview zwischen Hans-Georg Vleugels und Alexander Fiseisky vermittelte den Liebhabern der Orgelmusik, die zum Teil sogar weite Wege nach Hardheim in Kauf nahmen, Eindrücke und Wissen über den Künstler und die Geschichte der Orgelmusik in Russland.
So war bereits eine halbe Stunde vergangen, bis Alexander Fiseisky am halbrunden Spieltisch der Vleugels-Orgel Platz nahm und dem Instrument die ersten Töne entlockte. Gleich einem zarten Wirbelwind, der immer voller und energischer wurde, erfüllte die "Fantasie und Fuge a-Moll" von Johann Sebastian Bach den Erftaldom. In der Pause zum nächsten Bach’schen Werk, der Choralbearbeitung "Allein Gott in der Höh’ sei Ehr’", war es bereits ganz still unter den Zuhörern - Alexander Fiseisky hatte sie schon jetzt in den Bann seines gefühlvollen, fließenden Spiels gezogen.
Nach den warmen Klängen der Choralbearbeitung zog der Organist bei dem ersten Stück der "Sonate B-Dur, op. 65 Nr.4" von F. Mendelssohn, dem "Allegro con brio" ein größeres Register und die Musik wurde lauter. Sehr ruhig, fast träge, kam das "Andante religioso" daher. Beim "Allegretto" präsentierte Alexander Fiseisky Fingerakrobatik - zart und in hohem Tempo umspielte er die schöne Melodie des Stückes. Das "Allegro maestoso e vivace" machte seinem Namen alle Ehre und beendete klanggewaltig den Ausflug in die Mendelssohn’sche Musik.
Sehr eindrucksvoll und intensiv spielte Alexander Fiseisky das "Gebet ohne Worte" seines Landsmannes Wladimir Odojewskij (1804 bis 1869), dessen Werke zu den ersten bekannten Kompositionen für Orgel in Russland zählen. Das von Gegensätzen geprägte Stück - hohe, lautere Töne standen im Wechsel zu tiefen, leisen Passagen - erinnerte an die Zwiesprache des Betenden mit Gott.
Das "Präludium G-Dur" von Constantin Homilius, einem Komponisten deutscher Abstammung, bestach durch sein rasantes Tempo. Eine endlos scheinende Melodie spudelte wie das Wasser einer Quelle in den Raum.
Mit dem ersten Orgelwerk des "Russischen Brahms" Alexander Glasunow, das "Präludium und Fuge D-Dur op. 93", demonstrierte Alexander Fiseisky noch einmal sein ganzes Können.
Das begeisterte Publikum erhob sich am Ende des Orgelkonzertes zum Applaus von seinen Plätzen und einige Orgelmusikliebhaber kamen sogar auf die Empore, um ein Autogramm des weltbekannten Organisten zu erhaschen.
Alexander Fiseisky dankte seinen Zuhörern mit der "Fantasie op. 110" (Alexander Glasunow) und der "Toccata C-Dur" Johann Sebastian Bachs für die Wertschätzung seiner Arbeit. bine
© Fränkische Nachrichten - 11. Oktober 2005
| Weltbekannte russischer Organist Alexander Fiseisky in Hardheim |
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