
Quelle: Foto Zegewitz
Hardheim. Es ist ein weiter längst nicht für alle nachvollziehbarer Weg des Menschen hin zur Erkenntnis, dass Gott schlechthin alles in Weisheit und Güte lenkt. Vor allem dann nicht, wenn wie im Buch "Hiob" einem vollkommen guten Menschen trotz aller Rechtschaffenheit viel Böses widerfährt und die Gefahr droht, dass er daran zerbricht, ehe er zur Einsicht kommt und für seine Leidensbereitschaft belohnt wird.
Diesen Weg in musikalischer Form mit Orgelklängen zu verdeutlichen, war das Anliegen des berühmten tschechischen Komponisten Petr Eben mit seinem Werk "Hiob". An dessen erstes Konzert in Hardheim vor zehn Jahren wurde am Sonntag im Erftaldom ein verhältnismäßig kleines, aber dafür höchst begeistertes Publikum erinnert. Das anspruchsvolle und unter die Haut gehende Werk interpretierte Alice Graf aus Nürnberg exzellent an der Vleugels-Orgel. Abgerundet wurde dieses imponierende kulturelle Ereignis durch von der Schauspielerin Brigitte Buhre (Aumühle) einfühlsam vorgetragene Texte aus dem Buch "Hiob".
Ergänzend dazu wartete die Orgelmanufaktur Vleugels mit Bildern und Dokumenten von Lebensdaten und Ereignissen aus Leben und Werk des am 24. Oktober 2007 gestorbenen Komponisten auf. Die Besucher quittierten die imponierende verbale und musikalische Gestaltung dankbar mit langanhaltendem Beifall. Der Begrüßung durch Bernhard Berberich als Sprecher der Organisatoren der Orgelkonzerte führte Brigitte Buhre in die Thematik ein und machte sich auf die Suche nach dem Grund menschlichen Leids, verbunden mit der Revision der früher üblichen theologischen Bewertung und Rechtfertigung von Strafe als Folge fehlerhaften Verhaltens und Sünde. Zu Antworten verhalfen die Texte aus dem Buch "Hiob", zu denen Petr Eben die adäquate ausdrucksstarke Musik komponiert hatte, die Alice Graf imponierend zur Geltung brachte.
Die musikalische Gestaltung der einzelnen Teile entsprach dabei mit jeweils gebührender Klangfülle den ausgewählten Textstellen des "Hiob" von der Darstellung seines Schicksals und der Annahme des Leides über die Sehnsucht nach dem Tod als Folge von Verzweiflung und Resignation bis hin zum Geheimnis der Schöpfung, der Buße und Erkenntnis und schließlich dem Gotteslohn, als Anerkennung für sein Verhalten in schwerer Zeit.
Für die musikalische Charakterisierung des Satzes zum "Schicksal" des Hiob auf der Orgel sorgt ein raues Zungenregister des Pedals. Der Satz endet mit demselben über die ganze Klangfläche der Orgel verteilten Motiv. Bei der "Gesinnungstreue" lässt Eben den Hiob in leiser Demut den Lobpreis in Form des gregorianischen österlichen "Exsultet" anstimmen - wobei dieses immer wieder von tosenden musikalischen Schicksalsschlägen unterbrochen wird. Die Annahme des Leids bei Satans furchtbaren Anschlägen gegen Hiobs macht Eben mit einem "Aufschrei der Orgel" deutlich, während die Klänge des Chorals "Wer nur den lieben Gott lässt walten" gewisse Zuversicht auszudrücken vermag.
Die Sehnsucht nach dem Tod wird musikalisch in Form einer einzigen Passacaglia ausgedrückt, die sich zu einem Gipfel steigert, nachdem Hiob zerschmettert am Boden liegengeblieben ist, was die letzte Variation im Pianissimo deutlich macht. Im Satz der Darstellung von Verzweiflung und Resignation und dem Tiefpunkt der Verlassenheit steigen Vorwürfe gegen Gott auf, die aber im zweiten Teil einem ergebenen Klagelied Platz machen.
Zur musikalischen Deutung des "Geheimnisses der Schöpfung" gehört am Anfang des Satzes eine Akkordfolge in geheimnisvollem Pianissimo, dann spielt sich in einer mächtigen Steigerung das Bild des Schöpfungsgeschehens ab, das Gott dem Hiob vor Augen führt, ehe der Satz wieder mit einer offenen Frage endet. Der zweiteilige Satz zur Buße und Erkenntnis weist im ersten Teil ein Bußlied auf, das alle Zweifel noch einmal aufklingen lässt.
Der leise, langsame zweite Teil bringt die Einsicht Hiobs, charakterisiert durch das Zitat des gregorianischen "Veni Vreator Spiritus" in Zwiesprache mit innigen Flötenmotiven. Das Finale mit instrumentaler Darstellung von "Gottes Lohn" besteht aus Choralvariationen auf ein Lied der Böhmischen Brüder "Christus, das Vorbild der Demut", weil Christus die Personifizierung des unschuldig Leidenden bis zur letzten Konsequenz ist. Z
© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 03.05.2012
Diesen Weg in musikalischer Form mit Orgelklängen zu verdeutlichen, war das Anliegen des berühmten tschechischen Komponisten Petr Eben mit seinem Werk "Hiob". An dessen erstes Konzert in Hardheim vor zehn Jahren wurde am Sonntag im Erftaldom ein verhältnismäßig kleines, aber dafür höchst begeistertes Publikum erinnert. Das anspruchsvolle und unter die Haut gehende Werk interpretierte Alice Graf aus Nürnberg exzellent an der Vleugels-Orgel. Abgerundet wurde dieses imponierende kulturelle Ereignis durch von der Schauspielerin Brigitte Buhre (Aumühle) einfühlsam vorgetragene Texte aus dem Buch "Hiob".
Ergänzend dazu wartete die Orgelmanufaktur Vleugels mit Bildern und Dokumenten von Lebensdaten und Ereignissen aus Leben und Werk des am 24. Oktober 2007 gestorbenen Komponisten auf. Die Besucher quittierten die imponierende verbale und musikalische Gestaltung dankbar mit langanhaltendem Beifall. Der Begrüßung durch Bernhard Berberich als Sprecher der Organisatoren der Orgelkonzerte führte Brigitte Buhre in die Thematik ein und machte sich auf die Suche nach dem Grund menschlichen Leids, verbunden mit der Revision der früher üblichen theologischen Bewertung und Rechtfertigung von Strafe als Folge fehlerhaften Verhaltens und Sünde. Zu Antworten verhalfen die Texte aus dem Buch "Hiob", zu denen Petr Eben die adäquate ausdrucksstarke Musik komponiert hatte, die Alice Graf imponierend zur Geltung brachte.
Die musikalische Gestaltung der einzelnen Teile entsprach dabei mit jeweils gebührender Klangfülle den ausgewählten Textstellen des "Hiob" von der Darstellung seines Schicksals und der Annahme des Leides über die Sehnsucht nach dem Tod als Folge von Verzweiflung und Resignation bis hin zum Geheimnis der Schöpfung, der Buße und Erkenntnis und schließlich dem Gotteslohn, als Anerkennung für sein Verhalten in schwerer Zeit.
Für die musikalische Charakterisierung des Satzes zum "Schicksal" des Hiob auf der Orgel sorgt ein raues Zungenregister des Pedals. Der Satz endet mit demselben über die ganze Klangfläche der Orgel verteilten Motiv. Bei der "Gesinnungstreue" lässt Eben den Hiob in leiser Demut den Lobpreis in Form des gregorianischen österlichen "Exsultet" anstimmen - wobei dieses immer wieder von tosenden musikalischen Schicksalsschlägen unterbrochen wird. Die Annahme des Leids bei Satans furchtbaren Anschlägen gegen Hiobs macht Eben mit einem "Aufschrei der Orgel" deutlich, während die Klänge des Chorals "Wer nur den lieben Gott lässt walten" gewisse Zuversicht auszudrücken vermag.
Die Sehnsucht nach dem Tod wird musikalisch in Form einer einzigen Passacaglia ausgedrückt, die sich zu einem Gipfel steigert, nachdem Hiob zerschmettert am Boden liegengeblieben ist, was die letzte Variation im Pianissimo deutlich macht. Im Satz der Darstellung von Verzweiflung und Resignation und dem Tiefpunkt der Verlassenheit steigen Vorwürfe gegen Gott auf, die aber im zweiten Teil einem ergebenen Klagelied Platz machen.
Zur musikalischen Deutung des "Geheimnisses der Schöpfung" gehört am Anfang des Satzes eine Akkordfolge in geheimnisvollem Pianissimo, dann spielt sich in einer mächtigen Steigerung das Bild des Schöpfungsgeschehens ab, das Gott dem Hiob vor Augen führt, ehe der Satz wieder mit einer offenen Frage endet. Der zweiteilige Satz zur Buße und Erkenntnis weist im ersten Teil ein Bußlied auf, das alle Zweifel noch einmal aufklingen lässt.
Der leise, langsame zweite Teil bringt die Einsicht Hiobs, charakterisiert durch das Zitat des gregorianischen "Veni Vreator Spiritus" in Zwiesprache mit innigen Flötenmotiven. Das Finale mit instrumentaler Darstellung von "Gottes Lohn" besteht aus Choralvariationen auf ein Lied der Böhmischen Brüder "Christus, das Vorbild der Demut", weil Christus die Personifizierung des unschuldig Leidenden bis zur letzten Konsequenz ist. Z
© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 03.05.2012
