
Das zweite Orgelkonzert diesen Jahres im Erftaldom war am Samstagabend ein ganz besonderes Erlebnis. Professor Zsolt Gárdonyi spielte für rund 100 Orgelmusikliebhaber und Kenner die Vleugels-Orgel der Hardheimer Pfarrkirche, seine Schwester Hajna Gárdonyi entlockte ihrer Violine wunderbare Töne und János Török, Solocellist des Würzburger Sinfonieorchesters, brachte sein großes Können an diesem Streichinstrument mit ein.
Aufgrund der "guten Kontakte" von Hans-Georg Vleugels habe sich Hardheim als Aufführungsort zu europäischen und amerikanischen Städte einreihen dürfen, freute sich Pfarrgemeinderatsvorsitzender Bernhard Berberich in seiner Begrüßung im Namen der "Freunde der Erftaldomorgel". Das "Doppeljubiläum 100+60" sei Anlass für das Gárdonyi-Portraitkonzert: Zoltán Gárdonyi (1906 bis 1986), in Budapest geborener Komponist und Leiter der Abteilung für protestantische Kirchenmusik an der Hochschule seiner Heimatstadt, wäre 2006 hundert Jahre alt geworden. Sein Sohn Zsolt Gárdonyi (geboren 1946), Professor für Musiktheorie an der Würzburger Hochschule für Musik, feierte am 21. März seinen 60. Geburtstag.
Den ersten Teil des Konzertprogramms füllten zwei Werke von Zoltán Gárdonyi aus - die Partita "Veni creator spiritus" (Komm, Gott Schöpfer, heiliger Geist) und eine Fantasie für Violine und Orgel. Das "Introduzione" (Largo) machte mit kräftigem Forte, das im Wechsel zu zartem Piano stand, den Auftakt der sinfonisch angelegten Variationen über den altkirchlichen Pfingsthymnus.
Nach dem typisch zeitgenössischen und somit für manchen Zuhörer vielleicht etwas befremdlichen Einstieg ließ die Vorstellung des Themas (Lento) aufhorchen: Die Melodie eines vertrauen Kirchenliedes drang ganz gediegen und brav in die Ohren und Gemüter der Konzertbesucher. Die sich anschließenden vier Variationen erinnerten an das Wesen des Heiligen Geistes: Glaubte man anfangs die vor Freude hüpfenden Herzen der Erfüllten zu hören, stand wenig später schon ein starker Kontrapunkt für sein Niederkommen auf die Erde, bevor wieder das Himmlische und somit irgendwie auch Flüchtige die Oberhand gewann.
Im Finale (Allegro maestoso) ließ Zsolt Gárdonyi noch einmal mächtige Klangwelten seines Vaters in den Erftaldom strömen. Und so erschütterte, wenn schon nicht der Heilige Geist, dann doch zumindest das vom klanggewaltigen Spiel der Vleugelsorgel erzeugte Vibrieren, das gesamte Gotteshaus bis in die Körper der Zuhörer hinein.
Nachdem Professor Zsolt Gárdonyi für einige persönliche Erläuterungen eigens von der Orgelempore in den Altarraum gekommen und die Stimmung der Violine seiner Schwester Hajna der der Erftaldomorgel angepasst war, gingen die Geschwister zwar nicht sichtbar, aber deutlich hör- und fühlbar in der tragisch-traurig schönen Musik ihres Vaters auf: Viel ungarisches Herzblut und auch der zugehörige Schwermut lagen in Zoltán Gárdonyis "Fantasie für Violine und Orgel".
Dass an dem Sprichwort "Wie der Vater so der Sohn" etwas dran sein muss, bewies der zweite Programmteil mit Kompositionen von Zsolt Gárdonyi. Seine "Variationen für Violoncello und Orgel" über ein ungarisches Kirchenlied überzeugten nicht nur im Sinne eines Andenken an den Vater. Wieder bewährte sich die Kombination Orgel-Streichinstrument - diesmal wesentlich mitgetragen von János Török, der ein grandioses Solo spielte. Dieses war eingebettet in einen klanggewaltigen, düsteren Einstieg und in temporeiche auf- und absteigende Tonwirbel von Seiten des Organisten.
An eine schleichende Katze und einen munteren Vogel erinnerte der Melodieverlauf - scheinbar empfand das freche Tierchen, das durch’s geöffnete Fenster kräftig in den etragenen, ruhigen Schluss hineinzwitscherte, das auch so und ließ sich entsprechend inspirieren.
In den vier folgenden Werken verband der Komponist Zsolt Gárdonyi charakteristische Elemente der Musik seiner verehrten Kollegen Bach, Liszt und Dupré mit seinen subjektiven Assoziationen. Daraus entstanden drei interessante Hommagen, die mit großer Ausdruckskraft zugleich dem Sprichwort "In der Kürze liegt die Würze" huldigten.
Das vierte Werk im Bunde, "Mozart Changes", war zum Abschluss ein Glanzpunkt mit Überraschungseffekt: Erklang zunächst ein Motiv aus Mozarts letzter Klaviersonate ganz gewöhnlich, vernahm es der verblüffte Zuhörer kurze Zeit später in Jazz-Manier. Da einem zweiten Motiv selbiges wiederfuhr, kamen die Konzertbesucher aus dem Staunen heraus in das Genießen hinein.
Langanhaltender Beifall - teilweise im Stehen gespendet - war nach rund einstündigem Programm der Lohn für die drei Ausführenden. Den begeisterten Besuchern des Gárdonyi- Gedächtniskonzertes schenkte Zsolt Gárdonyi eine Zugabe. bine
© Fränkische Nachrichten
03.Juli 2006
