Von unserem Redaktionsmitglied Ingrid Eirich-Schaab (Fränkische Nachrichten)

Quelle: Foto: Eirich-Schaab
Es war eine sehr anspruchsvolle Veranstaltung auf künstlerisch äußerst hohem Niveau, wobei die meisten Besucher (das Konzert hätte durchaus eine bessere Resonanz verdient) im Hinblick auf die vielversprechende Ankündigung allerdings eher wohlklingende, harmonische Weisen erwartet hatten. Der Organist überzeugte durch seine virtuosen Fähigkeiten.
Das Konzert lebte von Gegensätzen und Effekten, von der Kombination grundverschiedener Klangfarben und Tonfolgen, wie sie nuancenreicher kaum hätten sein können. Zartes Piano kontrastierte mit einer fast erdrückenden Tonfülle.
Im Namen der "Freunde der Erftaldomorgel" hieß Pfarrgemeinderatsvorsitzender Bernhard Berberich die Zuhörer zu dieser ersten Veranstaltung 2008 in der Reihe der großen Orgelkonzerte in der Pfarrkirche St. Alban willkommen.
Von der Vogelpredigt inspiriert
Die Vogelpredigt des heiligen Franziskus habe ihn zu der Programmgestaltung inspiriert, erläuterte Klaus Evers eingangs. Und so stellte er denn auch eine eigene Orgelbearbeitung der gleichlautenden "Legende" (Klavierfassung) von Franz Liszt vor. Davon ausgehend ließ er weitere "Vogelstimmen" erklingen: Wohltuend warme und weiche Töne schmeichelten sich zunächst in die Ohren und Herzen ein.
Aber es gab auch schrille, ganz schön schräge "Vögel", wie den "blauen Vogel" aus "Säya", op. 50 (Poème über ein koreanisches Volkslied) von Jean Guillou. Die Spezialregister "Regenmaschine" und "Donner" der Hardheimer Vleugels-Orgel unterstützten mit ihren schönen Effekten die Interpretation.
"Die zweite Motivation" zu diesem Konzert, wie Evers es ausdrückte, war die Einstimmung auf das Konzert mit Professor Naji Hakim, einem der derzeit weltweit bedeutendsten Organisten, am 27. Juni in Hardheim. Aus dessen CEuvre war ebenfalls eine Kostprobe zu hören.
In der Kirchenmusik ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass der Klang von Vogelstimmen eingefangen und instrumental nachgeahmt wird. Prädestiniert für derartige Interpretationen ist die dreimanualige Hardheimer Vleugels-Orgel in der Pfarrkirche St. Alban mit ihren zwei Schwellwerken, dem dynamisch modulierbaren Klangfarbenreichtum und den Spezialregistern.
Evers eröffnete das Konzert allerdings an der alten englischen Chororgel im Altarraum mit William Byrds "In the Woods so Wild". Ruhig und dezent wurden die Zuhörer eingeladen, von der Hektik des Alltags abzuschalten und einzutauchen in eine ungewohnte, reiche Klangwelt, in der irisierende Effekte in himmlische Sphären entrücken sollten.
Nuancenreiche Klangbilder
So auch bei Johann K. Kerlls "Capriccio sopra il Cucu", dem ersten Vortrag an der großen Vleugels-Orgel an diesem Abend, bei dem sich der Ruf des Kuckucks immer wieder in hell trällerndes, anmutiges Gezwitscher mischte. Klaus Evers verstand es vorzüglich, das Instrument in all seinen Variationsmöglichkeiten auszuspielen und ihm, gestalterisch brillant, immer neue Klangbilder zu entlocken.
Der blinde Komponist Jean Langlais entwarf ein modern abstraktes, die Geräuschkulissen interessant abstrahierendes Klanggemälde von einem "Sonntagmorgen in New York". Szenenartig alterniert das Gurren der Tauben mit einem melancholischen Choralthema, kontrapunktiert von hohen, kurz ausgestoßenen Vogellauten.
So ganz anders, schrill und skuril, exotisch und schräg dann Jean Guillous "Säya". Ungewohnte Dissonanzen drangen durch Mark und Bein. Das Donnergrollen ergriff den Körper und schien sich, einer Flutwelle gleich, über alles hinwegwälzen zu wollen.
Innerlich noch aufgewühlt lauschten die Zuhörer hernach so andächtig den technisch extrem schwierigen, aber bravourös dargebotenen "Vogelgesängen" von Olivier Messiaen, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören.
Aufrüttelnd schrill ging es weiter mit Naji Hakims "Le Tombeau d'Olivier Messiaen". Klaus Evers konnte seiner Spielfreude freien Lauf lassen und einmal mehr seine Sensibilität und seine erwähnenswerte Präzision, gepaart mit einer außergewöhnlichen technischen Perfektion, unter Beweis stellen.
Die Zugabe, "Die Schwalbe" von Louis Claude Daquin, setzte, quasi als Abgesang, einen wohltuend sanften, gefälligen, ja versöhnlichen Schlussakzent, der zur inneren Ruhe und Erbauung zurückfinden ließ.
Fränkische Nachrichten 19. Februar 2008
