"Ein Frohes Neues Jahr" - Neujahrskonzert mit Christian Stegmann, Kitzingen an der Vleugelsorgel

Großartiger Musikgenuss am Neujahrstag in der Kath. Pfarrkirche St. Alban, Hardheim.
Christian Stegmann begeisterte durch sein Einfühlungsvermögen

Quelle: Foto: Zegewitz

Hardheim. Mit seinem imponierenden Einfühlungsvermögen und begeisternder künstlerischer Gestaltungsfähigkeit ließ Christian Stegmann (Kitzingen) das am Neujahrstag angesetzte erste Orgelkonzert der Pfarrgemeinde St. Alban in diesem Jahr an der Vleugels-Orgel im Erftaldom für alle Besucher zu einem beglückenden und mit langanhaltendem Beifall bedachten, großartigen Musikgenuss werden.

Christian Stegmann ist Kantor an St. Johannes in Kitzingen, Regionalkantor und Orgelsachverständiger des Bistums Würzburg für die Dekanate Ochsenfurt und Kitzingen sowie Initiator und künstlerischer Leiter der Reihe "Orgelmusik zur Marktzeit" in Kitzingen. Er leitet die Kantorei St. Johannes und den von ihm gegründeten Kammerchor St. Johannes. Nach dem Studium der Kirchenmusik (A-Examen) absolvierte er ein Aufbaustudium und Meisterkurse in Orgelliteraturspiel und Improvisation, erweiterte seine Kenntnisse im Bereich der Chorleitung und gestaltet Orgelkonzerte wie jetzt in Hardheim.

Dieses vielseitige musikalische Wirken und Engagement verdeutlichte Bernhard Berberich bei der Begrüßung der erwartungsvollen Besucher und des jungen Künstlers, ehe dieser in kurzen Zügen das Programm skizzierte.

Mit den von im ausgewählten Werken unter dem Aspekt "Ein frohes neues Jahr" von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Charles-Marie Widor und Louis Vierne als Repräsentanten der französischen spätromantischen Orgelmusik zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie einer eigenen Improvisation über das Thema "Freude schöner Götterfunken" von Beethoven und seiner von weihnachtlichen Klängen geprägten Zugabe begeisterte Christian Stegmann die Besucher, die ihn nach den eindrucksvollen Darbietungen am Ende reglerecht "feierten".


Kontrastreiche Registrierung


Zunächst überzeugte Christian Stegmann die Zuhörer nach Präludium und Fuge D-Dur BWV 532 mit seiner künstlerischen Gestaltung des Concerto a- moll BWV 593 (nach A. Vivaldi), das er sehr schön, dynamisch und klar, mit signifikanten Momenten und gesamter sublimer Interpretation zu gestalten vermochte und auch mit wunderbarer Klangfülle ins Ohr gehen ließ.

Die "Fantasie in f-Moll KV 594, eine der fesselnden späten Instrumentalwerke Mozarts, begeisterte durch ihre festlich-frohen und teilweise gleichsam jubilierenden Klänge, aber ebenso auch den getragenen und selbst meditativ wirkenden Passagen.

Der nachdrücklich akzentuierte und rhythmisch betonte erste Satz (Allegro vivace) aus der zweifellos bekanntesten 5. Orgelsymphonie op. 42 des französischen Komponisten Charles-Marie Widor unterstrich musikalisch den Wunsch auf ein "frohes neues Jahr" mit seiner teilweise furiosen Klangfülle und der kontrastreichen Registrierung sowie den originellen und sehr inspirierenden Variationen über das ausgedehnte Thema.

Welche Expressivität und Virtuosität der symphonischen Orgelmusik von Louis Vierne zu eigen ist, welches Niveau und welche Richtung in eine neue Tonsprache des 20. Jahrhunderts dieser am Übergang in die Moderne mitbringt und prägt, wies der talentierte Organist bei der Interpretation des Scherzo aus der zweiten Orgelsymphonie op. 20 mit seinen freudig beschwingten Klängen ebenso wie mit dem fulminanten Finale aus der ersten Orgelsymphonie op. 14.

Fast zu zaubern schien der Organist bei der gewaltig anwachsenden Klangfülle in dieser Komposition. Nicht umsonst gelten Viernes sechs Orgelsymphonien als einzigartiger Höhepunkt der französischen spätromantischen Schule.

Christian Stegmann faszinierte die Konzertbesucher anschließend mit seiner symphonischen Paraphrase über das Thema "Freude schöner Götterfunke". Er ließ das Grundmotiv immer wieder anklingen und setzte andererseits bei seiner freien Improvisation zur Verdeutlichung der Freude auch höchst aparte Akzente durch glockenspielartige Interpretation. Mit gleichsam "wilder Entschlossenheit" und entsprechendem Klangvolumen von Orgel und Zimbelstern verlieh Stegmann zum Abschluss der "Freude" besonderen Nachdruck.

Rauschender Beifall gab ihm Anlass zu einer Zugabe unter Berücksichtigung der weihnachtlichen Festzeit mit einer spektakulären Interpretation und Variation des bekannten Liedes "In dulci jubilo" unter Nutzung besonderer instrumentaler Akzentuierungsmöglichkeiten der Hardheimer Vleugels- Orgel. Z

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 04.01.2013