Kirchenkonzert in Hardheim Der Kölner Domorganist Professor Dr. Winfried Bönig entfachte die ganze Strahlkraft der Vleugels-Orgel
Mal verspielt, mal wuchtig und mystisch

Ein wohlklingender und künstlerisch sehr hochwertiger Ausklang des Wochenendes war am Sonntag das Orgelkonzert im Erftaldom.
Hardheim. Auf Einladung des Freundeskreises „Erftaldomorgel“ war mit Professor Dr. Winfried Bönig kein Geringerer als der Domorganist zu Köln zur letzten Veranstaltung der diesjährigen Konzertreihe nach Hardheim gekommen, der als Könner seines Faches mit „Musik um die Jahrhundertwende“ brillierte.
Für den Freundeskreis „Erftaldomorgel“ begrüßte Bernhard Berberich das Publikum und bezeichnete es als „große Ehre“, mit Bönig den „Herrn über 7000 Orgelpfeifen“ in St. Alban willkommen heißen zu können.
Kraftvoll und dramatisch
Nach kurzer Selbstvorstellung informierte der in Bamberg geborene Virtuose über seine musikalische Intention, die auch in Kirchenmusik und Orgelbau als „goldene Zwanziger“ in die Geschichte eingegangene Zeit und ihr mannigfaches Schaffen vorzustellen. Selbiges tat er zunächst mit dem „Prologus tragicus“ aus dem Schaffen von Sigfrid Karg-Elert (1877 bis 1933): Kraftvoll und dramatisch, breitspurig und mit mehreren Intermezzi ließ er bereits zu Anfang des Konzerts wissen, was die kommenden 90 Minuten bieten würden.
Dem stand die von Charles Tournemire (1870 bis 1939) verfasste und von Maurice Duruflé aufgezeichnete Improvisation des „Te Deum“ freilich in keiner Weise nach. Mit donnernden Akkorden und wuchtigen Melodieverläufen verlieh Bönig der instrumentalen Strahlkraft der Hardheimer Vleugels-Orgel zusätzlichen Aufwind – passend zum Ambiente des Erftaldoms zu Ehren des Herrn.
Einen Kontrast zu den ersten Werken schuf das aus dem musikalischen Nachlass des Franzosen Camille Saint-Säns (1835 bis 1921) stammende Werk „Fantaisie Nr. 3 in C-Dur“: Bereits mit dem federleichten Beginn erschloss sich den Zuhörern ein hörfreundliches und sanftes, geradezu romantisch-verspieltes Stück Musik. Kunstvolle Passagen und ein sanfter Melodieverlauf luden zum Träumen und Nachdenken ein. Hier konnte man sich zurücklehnen und ganz der Musik und manchem Gefühl hingeben.
Als spannend und geradezu mystisch lassen sich im Gegenzug Präludium und Fuge in D-Dur („Halleluja“) nach Franz Schmidt (1874 bis 1939) beschreiben: Der zeit seines Lebens schwerer Schicksale ausgesetzte Österreicher verwirklichte in jenem 1925 uraufgeführten Werk komplexe Melodienverläufe und eine beeindruckende instrumentale Tragik, die genaues Hinhören erforderte.
Mit einem dreiteiligen Epos aus der VIII. Symphonie von Charles-Marie Widor (1844 bis 1937) beschloss Prof. Dr. Winfried Bönig das Konzert. Das fünfte und letzte Stück des Abends begann mit dem wuchtigen „Allegro risoluto“, ehe Bönig mit dem melodisch durchaus anspruchsvollen „Adagio“ zum „Final“ überleitete. Gerade hier stellte er vortrefflich unter Beweis, wie souverän er die „Königin der Instrumente“ beherrscht: Das als gigantisch zu bezeichnende Finale trieb das Konzert mit besonderem Tiefgang auf die Spitze und leistete sicher seinen Beitrag zum nicht enden wollenden Applaus, dem der Maestro mit eine weiteren Zugabe Rechnung trug. Nach dem Dank durch Bernhard Berberich bestand noch die Möglichkeit, die Vleugels-Orgel und ihre Bestandteile im Rahmen von Führungen mit Stephanie Heiden näher kennenzulernen. ad
