Koreanische Organistin Yang-Hee Yun begeisterte das Publikum in der Hardheimer Pfarrkirche

Diese Leistung schloss ein, dass sie die klangliche Vielfalt der Orgel in der katholischen Pfarrkirche voll auszuschöpfen im Stande war und auch den anspruchsvollen Erwartungen Orgelsachverständiger vollauf genügte. Die Organistin wurde somit allen hochgesteckten Erwartungen und Ansprüchen der Besucher gerecht, die ein genussreiches Orgelkonzert geboten bekamen, zu dem Bernhard Berberich als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates begrüßte und für das auch Pfarrer Franz Lang am Ende seinen Dank aussprach.
Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates stellte die Organistin vor, zu der sich die Kontakte im Zusammenhang mit dem Auftrag zum Bau einer Orgel für die älteste methodistische Kirche Südkoreas aus dem Jahr 1885 ergeben hatten. Dieses Instrument entsteht derzeit in der Orgelmanufactur Vleugels in Hardheim, wo die Professorin das Instrument vor der Lieferung nach Korea besichtigte und am Sonntag auch spielte.
Nachdem Organistin Yang-Hee Yun in einigen kurzen ergänzenden Sätzen in das Programm des Orgelkonzerts eingestimmt und Komplimente an die Hardheimer Kirche und deren Orgel gemacht hatte (Johannes Vleugels fungierte dabei als Dolmetscher), eröffnete sie das Konzert mit "Fantasie" und "Fuge in g-Moll" von J. S. Bach und präsentierte dabei ein Werk, dessen Berühmtheit und Beliebtheit nach der Beurteilung von kompetenten Kennern vor allem auf der harmonischen Kühnheit der Fantasie und dem mitreißenden Schwung der Fuge basiert, deren Thema den Besuchern ins Ohr ging. Gerade mit der Interpretation der Fuge brillierte die Organistin.
W. A. Mozarts "Fantasie in f-Moll" stellte das zweite Werk des Konzerts dar, das der Komponist für eine "Flötenuhr" geschaffen hatte, für ein automatisch betriebenes Instrument, das im letzten Jahrhundert des 18. Jahrhunderts in Wien eine Attraktion darstellte. Eröffnet worden war ein skurriles Kunst- und Raritätenkabinett, in dem die Wachsbüsten großer Verstorbener aufgestellt waren und die von einer Automaten-Orgel erzeugte Hintergrundmusik sollte für die erforderliche Stimmung in diesem Mausoleum sorgen. Diese zweifellos an eine Spieluhr erinnernden Klänge waren dank ihrer musikalischen Vielfalt von außerordentlichem Reiz und ließen insbesondere zu Beginn und zum Schluss hin ganz deutlich meditativ stimmende Elemente hörbar werden.
Reizvoll für die Zuhörer waren die anschließend gespielten Variationen von J. Paine zur so genannten "Österreich-Hymne", wobei die Künstlerin die verschiedensten Klangfarben der Orgel eindrucksvoll zur Geltung brachte, ehe sie am Ende mit machtvollen Klängen den Kirchenraum füllte. Mit seinen Variationen blieb J. Paine zu beachtlichen Teilen nahe am Original, doch übten die Variationen andererseits ihren besonderen musikalischen Reiz aus.
Von besonders apartem Flair für die Zuhörer war die Präsentation der zeitgenössischen Komposition zum "Psalm 23" der im Jahr 1946 geborenen koreanischen Komponistin Young Ja Joo. Darin enthalten waren für europäische Ohren weniger gewohnte Besonderheiten koreanischer Musik, die auf einer klassischen, europäischen Orgel gespielt, manche Überraschung bereit hielt und verschiedenste reizvolle Klangnuancen aufwies.
An J. Rheinbergers "Sonate Nr. 8 in e-Moll, Opus 132", vermochten erfahrene Musikkenner die Eigenarten der Persönlichkeit und die Meisterschaft des an Bach gereiften Kontrapunktikers Rheinberger heraushören, dessen ureigenstes Gebiet die Orgel-Sonate war und dessen im Konzert präsentierte Sonate den Zuhörern zu einem weiteren musikalischen Genuss verhalf, so dass sie danach in Anerkennung der brillanten Leistungen die Künstlerin mit frenetischem Beifall bedachten, die sich mit einer schwungvollen und ebenfalls begeisternden Zugabe revanchierte. Z
© Fränkische Nachrichten - 15.07.2003
