Chant de Mai...
Albert Schönberger ehem. Domorganist Mainz

Hinweis:  Bild wurde entfernt, da die Rechte zur Veröffentlichung entzogen wurden. 11.10.2018/BB
 
"Chant de Mai" - Albert Schönberger verband geschickt und äußerst versiert theologische Betrachtungen mit musikalischen Interpretationen Einzigartiges Loblied auf Gott und die Schöpfung Bericht: Elmar Zegewitz (Z)

Orgelkonzert in Hardheim: Hardheim. Zu einem einzigen Loblied auf Gott und die Schönheiten seiner Schöpfung in der Natur, besonders im Frühling und Maimonat, ließ der ehemalige Domorganist vom Hohen Dom in Mainz, Albert Schönberger, am Sonntag das Orgelkonzert in der Pfarrkirche St. Alban werden. Dieses stand unter dem Motto "Chant de Mai". Äußerst versiert führte er mit seinen theologischen Betrachtungen in die Thematik des Konzerts ein und leitete auch jeweils zu den einzelnen Werken über.

Mit großem Einfühlungsvermögen und begeisterndem, technisch auf höchsten Niveau stehenden Orgelspiel ließ er unter Nutzung all der möglichen Klangfarben der Vleugels-Orgel den Abend zu einem Hochgenuss für die durchweg begeisterten Freunde der Orgelmusik werden.

Nach einleitenden Gedanken zu den Schönheiten des Frühlings in der heimischen Landschaft nahm Albert Schönberger die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten theologisch und liturgisch in seinen Blick und führte damit hin zu Meditation und Präludium seiner Choralphan-tasie "Christ ist erstanden". Dabei ließ er mit zunächst dunklen und danach hellen Tönen und Klängen das Geschehen hörbar werden und verdeutlichte musikalisch den Weg vom Dunkel zum Licht durch Jesu Auferstehung. Bei allem wurde immer wieder die Freude über "Christ ist erstanden" hörbar.

Die eingängiger Melodie "Komm, o komm, du Geist des Lebens" von Johann Philipp Kirnberger verstand Schönberger einfühlsam, rhythmisch akzentuiert und unter Nutzung des Nuancenreichtums des Werks zu gestalten.

Gedanken zur Bedeutung dessen, was der Schöpfer an Leben und Begabung gibt, und der Empfehlung, sich im Frühling an Gottes Schöpfung und der Natur zu erfreuen, ließ der Organist eine spektakuläre Interpretation der "Toccata" von Gordon Young und danach Bachs Choralvorspiel "In dir ist Freude" mit dem Ausdruck österlicher Freude folgen. Immer wieder damit verwoben waren die Anklänge an Bachs "An hellen Tagen".

Zum Genuss werden ließ Schönberger die "Siciliana" aus der Flötensonate Es-Dur in einer Bearbeitung für Orgel. Dabei waren die mit der "Königin der Instrumente" gezauberten Flötenklänge deutlich hörbar. Die mächtigen Klänge des Finales aus der "Saint-Wilfried's Suite" von Andrew Carter sprachen die Zuhörer ebenso nachdrücklich an wie die "Phantasie f-Moll", KV 608, für das Orgelwerk in einer Uhr mit schweren Akkorden und zarten Melodien. Dabei kam auch die Bedeutung des "Kreuzes" im menschlichen Leben und auf dem Weg Mozarts deutlich zum Ausdruck.

Zarte Klänge, innige Melodien

Mit dem "Chant de Mai" von Joseph Jongen wurde gleichsam die Freude am Wachsen und Blühen in zarten Klängen, inniger Melodie und voller Inbrunst hörbar gemacht.

Nach dem "Chant modale" von Gordon Young entwickelte Schönberger mit überzeugendem und mitreißendem Orgelspiel aus dem Adagio von Charles-Marie Widor die voluminöse Toccata aus der V.-Symphonie, die er zu einem auch musikalisch gewaltigen Lob auf Gottes Schöpfung werden ließ.

Einfühlsam gespielt erklang Johann Sebastian Bachs "Air" aus der Suite Nr. 3 in D-Dur in der Bearbeitung von Albert Schönberger. Überzeugt vom Gehalt dessen, was er spielt, ließ er mit grandioser freier Improvisation über "O Mutter Jesu, freue dich" aus der Charakterisierung der stillen Auferstehungsfreude Mariens der Auferstehung die überschäumende Freude des Schöpfungsliedes "Erde singe, dass es klinge" wachsen, verwob die beiden Lieder so miteinander mit gigantischer Klangfülle und setzte damit einen glanzvollen Schlusspunkt.

Die Zuhörer ließen sich von solchem musikalischem Jubel mitreißen, stimmten in Form ihres frenetischen Beifalls in diesen mit ein und zollten dem Organisten höchste Anerkennung für seine freie Improvisation, zu deren Verwirklichung ihn ein theologisches Gespräch mit Pfarrer Franz Lang geführt habe. Er dankte diesem daher in seinen Schlussworten ebenso wie Dr. Ilselore R. Günther, die den Besuchern mit ihrer Kameraführung optische Eindrücke des Orgelspiels vermittelt hatte und so für die besondere Hereinnahme der Besucher in das Geschehen sorgte.

Seine Musik wollte der Künstler im engen Verbund von Raum, Zeit und Instrument konzipiert und dem Ziel gewidmet wissen, Musik und Pastoral zusammenzuführen. Dies gelang ihm in einzigartiger Weise, wie der Beifall dokumentierte.

Seinen Dankes- und Grußworten ließ Schönberger eine Zugabe an der im Chor der Hardheimer Kirche stehenden "Glasorgel" folgen mit der abschließenden, richtungsweisenden theologischen Empfehlung "Wer nur den lieben Gott lässt walten".

Bernhard Berberich hatte die Veranstaltung mit Grußworten und einführenden Gedanken eröffnet und richtete den Blick auch auf das nächste Großereignis in Form der Orgelmusik zum Stummfilm "Faust". Schönberger verabschiedete sich persönlich an der Kirchentür von jedem einzelnen besucher. Z Fränkische Nachrichten 24. Mai 2011