Orgelkonzert: Landestypische Stimmungen eingefangen in Musik

Professor Dr. Michael Hartmann aus München begeisterte an der Hardheimer Vleugels-Orgel mit interessanten Darbietungen

Hardheim. Eine "Europäische Orgelreise" unternahm Professor Dr. Michael Hartmann vom Richard-Strauss-Konservatorium München, Orgelsachverständiger der Erzdiözese München und Freising, auf der Vleugels-Orgel des Erftaldomes in Hardheim mit den zahlreichen Zuhörern. Und tatsächlich waren den Darbietungen "landestypische" Komponenten und Eigenheiten anzuhören. Der 1955 in Elsenfeld geborene Organist zeigte bei seinem bravourös dargebotenen und mit viel Beifall aufgenommenen Konzert, wie die einzelnen Komponisten landestypische Klangfarben und -fülle und damit jeweiliges typisches Flair in ihre Werken hatten einfließen lassen.

Mit beeindruckender solistischer Perfektion gestaltete der sympathische Organist das von ihm ausgewählte Programm des Orgelnkonzerts in der katholischen Pfarrkirche St. Alban, wo er nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats, Bernhard Berberich, mit einigen kurzen Erläuterungen zu dem von ihm ausgewählten Werke aufwartete. Bei deren glanzvoller Interpretation konnten die Besucher denn auch viele der besonderen Eigenheiten und musikalischen Besonderheiten der verschiedenen Komponisten heraushören, die Dr. Michael Hartmann akzentuiert herausstellte und mit seiner meisterlichen Gestaltung der Klangmerkmale und Registrierung zur Geltung brachte.

Die Zuordnung der einzelnen Orgelwerke zu verschiedenen Ländern wurde auch optisch unterstützt, denn zu jedem Werk wurden Bilder eingeblendet, mit denen landestypische Stimmungen eingefangen waren und die Zuordnung der Orgelwerke zu den einzelnen Ländern Europas weiter erleichterten.

Zunächst entführte der Organist mit Mozarts "Ouvertüre C-Dur, KV 339" und mit Ludwig van Beethovens "Suite in D-Dur" und deren Sätzen Adagio, Scherzo und Allegro nach Österreich. Bei der hörenswerten Interpretation von Beethovens Werk beschränkte sich Dr. Hartmann auf das Flötenregister, was bei der liebenswerten Melodie des Adagio besonderen Klangcharakter bewirkte, im Scherzo eher liedhafte und im weiteren Verlauf leicht spielerische Charakterelemente erkennen ließ. Fast schienen die Klänge einer Spieluhr zu entstammen , mit deren Melodie der Organist viel Freude bereitete.

Mit den Werken "Marcia di Bardi", "Ländliche Idylle" sowie "Ave Maria" von Marco Enrico Bossi wurden Beispiele italienischer Orgelmusik vorgetragen, wobei die musikalische Spannweite bei "Marcia di Bardi" von mächtigen Klängen über meditativ wirkende Passagen bis hin zum Kirchenraum füllenden Tutti reichte. Bei der "Ländlichen Idylle" verdeutlichte der Organist mit seiner Interpretation eindrucksvoll die Eigenheiten der ländlichen Idylle italienischer Landschaft und schließlich zudem in seiner Version den musikalischen Gruß des "Ave Maria".

Spanisches Temperament mit rhythmisch nachdrücklich betonten Passagen prägten die für das Orgelkonzert ausgewählten Melodien des Komponisten Lois J. A. Lefébre Wely wie "Sortie Es-Dur" und "Boléro de Concert", wobei gerade im ersten Stück die spanischen Trompetenklänge auf der Orgel eindrucksvoll und mächtig nachempfunden wurden. Der "Boléro de Concert" war von volksfesthaften und auch rhythmisch unüberhörbaren Elementen und Klangfarben geprägt , die Musik wirkte fremdartig und gleichzeitig anziehend, war apart und wies einen besonders akzentuierten Schluss auf.

Guy Bovets "Salamanca" stellte ein weiteres musikalisch apartes Werk dar, das mit Flöten-, Pfeifen - und Trommelklängen geprägt zudem in seiner Musik auch beängstigende und bedrohlich klingende Wirkung aufzuweisen schien und mit überraschendem Akzent schloss. Insbesondere die Werke der spanischen Komponisten gefielen ob ihres unüberhörbaren rhythmischen Reizes und verdeutlichten klanglich besonders attraktive Elemente.

Als Repräsentanten englischer Orgelmusik ausgewählt hatte Dr. Hartmann John Stanley, an dessen Voluntary I op. 5.1" an der Orgel unschwer zu entnehmen war, dass es zunächst für Trompete geschrieben war. Namentlich im Andante beeindruckte die scheinbar mit Trompeten erzielte Echowirkung der Orgel bei diesem attraktiven Konzert, das mit "Carillon de Westminster" von Louis Vierne mit bekannten Westminster-Ton-Anklängen und mit einem furiosen Finale den offiziellen Abschluss des Programms darstellte, ehe der Organist bei seiner Zugabe tänzerisch leichte Musik Mozarts mit rhythmisch betonten und jazzhaften Klängen eines zeitgenössischen, in Würzburg lebenden Komponisten vermengte und damit noch einmal einen besonderen Akzent setzte.

Der langanhaltende Beifall bewies, dass die "Europäische Orgelreise" mit der von Dr. Michael Hartmann beispielhaft gewählten Werke und deren exquisite Interpretation den Besuchern viel Freude gemacht hatte. z

© Fränkische Nachrichten - 30.07.2004