23.10.2011 - Johannes Mayr verdeutlichte die Szenen des Faust-Stummfilmes musikalisch.

Filmszenen hervorragend interpretiert

Quelle: Foto Mayer Privat


Hardheim. Beim letzten Orgelkonzert auf der Vleugels-Orgel in der Pfarrkirche St. Alban in diesem Jahr ging es am Sonntag im Rahmen eines "Orgel-Kinos" um den Faust-Stoff. Mit diesem Thema haben sich schon mehrere Veranstaltungen im Verlauf dieses Jahres in Hardheim befasst. Der als Orgelimprovisator höchst erfolgreiche und mit zahlreichen Auszeichnungen bedachte Organist Johannes Mayr aus Stuttgart übernahm die musikalische Begleitung und Gestaltung zu Friedrich Wilhelm Murnaus Faust-Stummfilm aus dem Jahr 1926.

Murnau hatte in diesem Film Motive des alten Volksbuches mit Aspekten der ersten Dramatisierung des Stoffes durch Chr. Marlowe und dem Inhalt von Goethes "Faust" mit der Gretchen-Tragödie als Dreh- und Angelpunkt des Werks verbunden und mit den damals möglichen und filmisch wie künstlerisch einsetzbaren Mitteln zu einem höchst eindrucksvollen Stummfilm werden lassen.

Bei seiner meisterlichen Orgel-Improvisation zum dramatischen Geschehen im Stummfilm vermochte der Organist der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart die Stimmungen des Filmes mit seinen beeindruckenden, aufwühlenden und den Szenen adäquaten Klängen höchst überzeugend zu charakterisieren und konnte damit die Besucher das Geschehen noch intensiver erleben und es ihnen mit seiner Musik so richtig "unter die Haut" gehen lassen. Das gelang ihm schon gleich bei den Eingangsszenen, als Erzengel Michael und Mephisto den Pakt schließen, nach dem Mephisto (als solcher überzeugt in dem Film der berühmte Schauspieler Emil Jannings) die Erde gehören soll, wenn es ihm gelingt, die Seele des Gelehrten Faust zu erringen.

Weitere klärende musikalische Akzente setzte Mayr bei der musikalischen Charakterisierung des anschließenden Geschehens. So zum Beispiel bei dem an der Orgel mit dem als O je, O je" zu deutenden Jammern beim Ausbruch der Pest, dem erfolglosen Bemühen Fausts, ein Mittel gegen die Seuche zu finden, bei der mit grellen Orgelklängen gekennzeichneten Beschwörung der bösen Geister und dem mit Mephisto geschlossenen Vertrag.

Treffend interpretiert wurde auch die Szene, in der das Faust von Mephisto überlassene Mittel, mit dem er in "Teufels Namen" helfen will, bei einem Patienten versagt und der Organist plötzliche Stille eintreten lässt.

Dagegen mit mächtigen Klängen verdeutlichte er die Wut der Bewohner der Stadt, die erkennen, dass Faust das Kreuz nicht sehen kann, und er fliehen muss. Nach dem Intermezzo am Hof von Parma und der in jugendlichem Rausch vollzogenen Rückkehr in die Heimat schließen sich jeweils - charakterisiert mit Mayrs passenden Orgelklängen - die Geschichte und Romanze um Gretchen nach der Begegnung in der Kirche an Ostern mit dem dabei eingefügten "Lobe den Herren" an, die mit Mayrs Musik angekündigten Vergnügungen Mephistos mit Marthe Schwerdtlein und dem mit Augenzwinkern vom Organisierten eingefügten "Kuckuck".

Die Musik des Organisten machte das weitere unheilvolle Geschehen wie den heimtückischen Mord Mephistos an Gretchens Bruder Valentin, die Totenmesse mit "Dies irae" und den Höhepunkt der Tragödie mit der Verurteilung von Gretchen als Dirne, der Geburt ihres Kindes unter den Klängen "Und hat ein Kindlein bracht" für die Besucher nachdrücklich hörbar.

Die Verurteilung Gretchens zum Tod auf dem Scheiterhaufen, die Rückgabe des Alters an Faust, Gretchens Verbrennung und Auffahrt in den Himmel verstand Mayr ebenso eindringlich und mit seinen Improvisationen musikalisch sehr anschaulich zu gestalten wie den Umstand, dass Mephisto seine Wette mit dem Erzengel verloren hat, weil er im Gegensatz zu Faust das "mächtige Wort - Liebe" nicht kennt.

Bewundernswert war es, wie der Organist die von ihm am Monitor mitverfolgte Handlung jeweils zum richtigen Augenblick und passend zur Szene überzeugend an der Orgel interpretierte.

Dies brachte ihm als lobende Anerkennung lang anhaltenden Beifall der Besucher ein und den Dank von Bernhard Berberich. Dieser hatte zu Beginn Grußworte gesprochen und eine Einführung in die Handlung des Films gegeben. Z

Fränkische Nachrichten
25. Oktober 2011