Konzert an der Vleugels-Orgel in Hardheim: Leipziger Professor ist ein im In- und Ausland gleichermaßen renommierter Organist

Professor Thomas Lennartz (Dresden) an der Vleugels-Orgel in Hardheim.© Brosch
Hardheim. Immer wieder ein Kunstgenuss sind die vom "Freundeskreis Erftaldomorgel" initiierten Orgelkonzerte in der Pfarrkirche St. Alban. Das Prädikat "künstlerisch wertvoll" verdient auch das Gastspiel des Leipzigers Thomas Lennartz, Professors für Orgelimprovisation, der am Sonntag eine gut einstündige "Abendmelodie" aufspielte.
Orgelbauermeister Hans-Georg Vleugels hieß das Publikum willkommen und dankte für das Interesse an der "Reise zu den Kathedralen Englands, Frankreichs und der USA", ehe Professor Thomas Lennartz nach kurzer Begrüßung an die Tasten schritt. Gleich der Einstieg in das Programm - die "Crown Imperial" von Sir William Walton (1902 bis 1983) - erklang in voller Stärke. Dass es eigentlich ein für Orchester abgestimmtes Stück ist, fiel nicht weiter ins Gewicht: Mühelos erklomm die Vleugels-Orgel auch höchste Töne. Im Kern völlig verschieden präsentierten sich zwei Instrumentale aus dem Schaffen des Edward Elgar (1947-1934): War das "Nachtlied" ein getragenes Opus, entführte das "Morgenlied" die Zuhörer in die friedliche Stimmung eines erwachenden Morgens, an dem einen erst die Sonne und dann ein lieber Mensch förmlich "wachküsst". Den Charakter einer kraftvollen Fanfare offerierte die "Toccata" des US-amerikanischen Gegenwartskomponisten John Weaver. Typisch amerikanisch kam das "breitspurige" Arrangement daher, ehe französische Einflüsse sich in leisen Obertönen bemerkbar machen.
Als Kontrast dazu setzten das direkt fürstliche "Andante" von Denis Bédard sowie ein Thema des Händel'schen "Messias" nach Bearbeitung von Alexandre Guilmant (1837 bis 1911) Akzente. Tragende Töne gingen über in je nach Betrachtungsweise schwermütige bis festliche Partien. Hier zeigte sich wieder einmal, wie stark die Wirkung einer Musik vom Geschmack des Zuhörers abhängt.
"Lamento"
Ebenfalls aus dem musikalischen Nachlass des Frankokanadiers Guilmant wurden das "Lamento" sowie Chor und Fuge aus der fünften Sonate in c-Moll adaptiert: Die eher getragene Stimmung bot ein interessantes Fundament für grollende Untertöne.
Volkstümliches Liedgut
Gegen Ende des Konzerts stellte sich der 1971 geborene Organist ganz auf das volkstümliche Liedgut ein: Eine Improvisation "zur Sommerzeit" konzentrierte sich auf "Wem Gott will rechte Kunst erweisen, "Kein schöner Land" sowie "Geh' aus, mein Herz, und suche Freud'". Die kunstvollen Arrangements erwiesen sich als Zeugnis instrumentaler Perfektion - überhaupt erfreute Thomas Lennartz mit sauberen Griffen und satten Akkorden.
Mit den Zugaben "Der Mond ist aufgegangen" und "Ade zur guten Nacht" verabschiedete er sein begeistert applaudierendes Publikum mit einem zur Tageszeit passenden Gruß. ad
