Der berühmte Organist Naji Hakim spielte in Hardheim
Außergewöhnlich und faszinierend interessant

Von unserem Mitarbeiter Peter D. Wagner

Quelle: Foto: Wagner

Ein außergewöhnliches wie auch faszinierend interessantes Orgelkonzert bekamen die Zuhörer am Freitagabend im Erftal-Dom, der katholischen Pfarrkirche St. Alban, in Hardheim geboten. Prominenter Gast war der weltweit bekannte Komponist, Organist und Improvisator Professor Dr. Naji Hakim aus Paris. In seinem Programm präsentierte Hakim abwechselnd eigene Kompositionen und Werke anderer französischer Komponisten.

Schon im ersten Stück seines Programms, dem "Bach'orama", einer Orgelfantasie über Themen von Johann Sebastian Bach, ließ der Ausnahmeorganist keine Zweifel offen, dass mit ihm der richtige Mann am richtigen Platz saß. Von Beginn an wurde auf eindrucksvolle Weise klar, dass Hakim sein Programm konsequent in eine unter die Haut gehende Klangfülle umsetzen würde.

Besonders stimmungsvoll anzuhören war die auf einem Glockenspiel basierende "Glenalmond Suite". Der Eröffnungssatz "Strømmende" ("Strömend") entwickelte die Glockenmelodie im einen gesangsartigen und beruhigenden Stil mit einer lebendigen Coda. Im zweiten Satz, "Favnende" ("Umfassend") wurde die Melodie mit dunklen und harmonischen Klangfarben verdeutlicht. Der mittlere Teil ("Scherzando") stellte eine klare diatonische Rekapitulation dar, bei der das Glockenspiel des ersten Satzes nochmals aufgenommen wurde. "Smilende" (Lächelnd) war von seinem leichten Aufbau und seiner Registration (Flöten 4' und Manuale alleine) geprägt. Der fünfte und letzte Satz des Werkes, "Jublende" ("Jubelnde") kombinierte Rondo-Sonata und Variationen.

Höhepunkt des Abends war die Uraufführung von "Ich liebe diese farbenreiche Welt". Das Stück ist dem dänischem Volkslied "Jeg elsker den brogede verden" nachempfunden. Er habe das Auftragswerk Hans-Georg Vleugles und der von ihm erbauten Orgel der Kirche St. Alban gewidmet, erklärte Hakim dem Publikum. Das Stück unterstreiche philosophisch die Entwicklung seiner Musik, welche tief in seinem Glauben an Gott und der Freude der Menschheit verwurzelt sei.

Der erste Satz dieses Werkes enthielt ein Präludium, welches sich zu einer poetischen und ausdrucksstarken Ausschmückung der Melodie mit Flöten und "voix céleste" entwickelte. Eine rhythmische, gewaltige und fröhliche Tanz-Toccata mit fulminantem Schlussakkord bildete den zweiten Satz.

Inhaltlich und technisch war Hakins Programm nichts Leichtgewichtiges, sondern enthielt viel Modernes, Anspruchsvolles und Schwieriges, geradezu Intellektuelles. Wie bei Kompositionen der zeitgenössischen Moderne nicht unüblich, kann man über das ein oder andere Stilelement geteilten Geschmacks sein. Sicherlich keinen Zweifel jedoch gab es an Hakins instrumentellen Könnens. Hakim bewältigte seine Aufgabe als gewissenhafter Interpret verschiedenartigster, schwerer Orgelstücke ausnahmslos mit meisterhafter Bravour.

Vor allem seine Eigenkompositionen verlangten dem Organisten ein Höchstmaß an Virtuosität ab. Vom fließend leichten und perlenden Spiel ("Yeux perlée") bis hin zu gewaltigen Akkorden, vom gegenläufigen bis zum zusammenläufigen Spiel der verschiedenen Stimmen, vom Crescendo bis zum Decrescendo, dazu rasch erfolgende Registraturwechsel beinhalten Hakims Werke ein erstaunlich breites Klang- und Variationsspektrum.

Ein moderner musikalischer Parforce-Ritt auf der Orgel mit Werken anderer Komponisten der französischen Orgelmusik (César Francks "Prière", Charles Tournemire "Fantaisie de L'Epiphanie" aus der "L'Orgue Mystique" sowie Olivier Messiaen "Offrande au Saint-Sacrement") gelang ihm mit der gleichen Souveränität.

Beeindruckend stellte Hakim ein Werk nach dem anderen in äußert kompakter, hochkonzentrierter und virtuoser Spieltechnik vor, und das auf eine Weise, als handele es sich um eine Selbstverständlichkeit. Das war es jedoch mitnichten: Es grenzte schon fast an ein musikalisches Wunder, wie musikalisch klangstark, technisch brillant und überzeugend nachschöpferisch Hakim dem Publikum sein außergewöhnliche Spielkunst präsentierte.

Eine Improvisation mit kräftigem Schlussakkord bildete einen wirkungsvollen und mit stehenden Ovationen nachhaltig bejubelten Schlusspunkt.

Fränkische Nachrichten 30. Juni 2008