Dr. Natalie Sander, Heidelberg, beeindruckte durch ihre gefühlvollen Interpretationen / Erinnerung an Aristide-Cavaillé-Coll Musikalische Reise von Frankreich nach Moskau

Quelle: Sander Privat
Man wolle mit diesem Konzert, so Orgelbaumeister Hans-Georg Vleugels zu Beginn der Darbietungen, Aristide Cavaillé-Coll als richtungweisende Persönlichkeit in der Geschichte des Orgelbaus würdigen. Sein Einfluss sei bis heute spürbar, 699 Orgeln stammen von ihm. Die Orgelmanufactur Vleugels durfte 2006 bis 2009 die original erhaltene Cavaillé-Coll-Orgel im Madrider Franziskaner-Kloster restaurieren. Deshalb auch der besondere Bezug zu ihrem Erbauer. Deshalb waren am Sonntag auch Werke großer Zeitgenossen Cavaillé-Colls zu hören.
Im Anschluss an das Konzert bestand die Möglichkeit die Hardheimer Orgel mit ihrem wie bei Cavaillé-Coll üblich frei stehenden Spieltisch unter fachkundiger Führungzu besichtigen. Diese Führungen soll es auch in Zukunft bei Konzerten geben.
Das Programm des Jubiläumskonzerts begann die Organistin mit César Francks vielgestaltigem Werk "Grande Piéce Symphonique op 17" Die Musik mochte die Gründe zu verdeutlichen, weshalb die Orgelmusik in der Zeit der Romantik wieder einen Höhepunkt erlebte. Damals bildete sich aus dem wieder erwachten Interesse an alten Formen, die mit neuer Tonsprache verbunden wurde, die Sinfonische Orgelmusik heraus und zeitgleich der in Frankreich begründete symphonische Stil.
Klangfülle der Orgel ausgespielt
Die Organistin brachte César Francks Werk mit seiner Klangvielfalt, Klangfülle, reizvollen Registerklängen und abwechslungsreichem Charakter an der Vleugels-Orgel optimal zur Geltung.
Anzusprechen und zu bildlichen Vorstellungen anzuregen vermochte sie mit ihrer einfühlsamer Gestaltung bei der meditativen Orgelbetrachtung "Claire de lune" (Mondschein) aus den "Pièces de fantaisie" von Louis Vierne, ehe sie mit adäquater Wiedergabe den Zuhörern instrumental verdeutlichte, wie Olivier Messiaen dem Phänomen der"Apparition de l'Eglise éternelle" ("Erscheinung der ewigen Kirche") unter anderem mit überwältigenden und teilweise lang anhaltenden Klängen kompositorisch Ausdruck verliehen hat.
Schließlich vermittelte Dr. Natalia Sander den Besuchern den Eindruck eines Rundgangs durch eine Ausstellung mit Modest Mussorgskys instrumentaler Verarbeitung und Gestaltung deren Bilder. Mit unter die Haut gehender Interpretation seiner Bewegungsformen und wild zappelnden Gebärden charakterisierte die Organistin einen linkischen, auf seinen missgestalteten Beinen herumhüpfenden Gnom mit unheimlich schaurigen Trillern und Läufen bis hin zu grell dissonierenden Schreikrämpfen und seinem Verschwinden im Zick-Zack-Lauf.
Mit eher wehmütiger Stimmung wurde das Bild "Das alte Schloss" interpretiert und unter dem Titel "Ballett der Nestlinge in ihren Eierschalen" als ganz liebenswertes klangliches Gemälde mit vielen Vorschlägen und Trillern das Bild federleichter, quicklebendiger Küken, die vergnügt herumpurzeln, picken und piepsen.
Erleben ließ Natalie Sander schließlich bei "Die Hütte auf Hühnerfüßen" die unheimlichen Lockrufe der Hexe Baba-Yaga. Zum Abschluss wurde unter Einsatz der entsprechenden spielerischen und orgeltechnischen Möglichkeiten "Das große Tor" (der alten Hauptstadt Kiew) und seine majestätische Größe beschrieben, ehe sich glockenartige Akkorde im Bass durch Mittel-und Oberstimmen zu reichhaltigem Geläute hochschaukelten und die maximale Klangfülle der Orgel ausschöpfen. Sie mündeten in einem imposanten Schluss mit gewaltigen Schlussakkorden.
Dem langanhaltenden Beifall trug die Künstlerin mit dem da capo "Ballett der Nestlinge" gern Rechnung. Sie war zu Beginn des Konzertes zusammen mit den Besuchern von Bernhard Berberich begrüßt worden. Z
Fränkische Nachrichten
8. Februar 2011
