Kirchenkonzert für Orgel und Panflöte - Mit Jaroslav Tuma und Liselotte Rokyta traten zwei Koryphäen auf
Hardheim. Mit Jaroslav Tuma (Orgel) und Liselotte Rokyta (Panflöte) aus Prag gestalteten zwei in Fachkreisen europa- und sogar weltweit hoch geschätzte Koryphäen auf ihren Instrumenten am Sonntag das zweite Orgelkonzert in diesem Jahr im Erftaldom. Sie brillierten als Solisten oder in harmonischem Zusammenspiel mit "Perlen der Musikliteratur" und verstanden die Klangfülle und Möglichkeiten der von ihnen gespielten Instrumente meisterhaft zur Geltung zu bringen.
Quelle: Foto: Zegewitz
Mit der opulenten Musik Johann Sebastian Bachs (Preludium und Fuge G-Dur BWV 541) eröffnete Jaroslav Tuma nach der Begrüßung durch Orgelbaumeister Hans-Georg Vleugels namens des Freundeskreises Erftaldomorgel und der Pfarrei St. Alban das abwechslungsreiche Konzertprogramm. Er brachte dabei die Orgel zunächst mit den frohen, beschwingten und festlichen Klängen Bachs zum Klingen und ließ in beeindruckender Gestaltung die musikalischen Eigenheiten der Fuge in Art eines musikalischen Gesprächs deutlich werden.
Ein besonderer Hörgenuss war anschließend die von Orgel und Panflöte gemeinsam gestaltete Sonate Nr. 3 e-Moll von Francesco Geminiani. Dabei fügte sich die Panflöte schon beim Adagio harmonisch in die Klänge der Orgel ein; gleichsam fröhlich perlende und tanzende Töne erfreuten beim Allegro. Dem gegenüber stand das eher festlich-getragene, gefühlvolle Largo, ehe bewegte Klänge das abschließende Vivace prägten. Die unterschiedliche Stimmung der einzelnen Sätze konnte den von diesem Werk nachdrücklich angetanen Zuhörern im Zusammenspiel ebndrucksvoll verdeutlicht werden.
Mit adäquater Gestaltung sowohl der "Pastorela C-Dur als auch der Pastorela G-Dur" des tschechischen Komponisten Jan Krititel Kuchar faszinierte anschließend Jaroslav Tuma an der Orgel die Zuhörer. Dabei schöpfte er die Vielfalt auch der besonders liebenswert-volkstümlichen Klangregister der Orgel in begeisternder Form aus. Er "zauberte" eine rhythmisch-beschwingte, fröhlich stimmende Atmosphäre. Abendliche Geborgenheit
Das gemeinsam von Orgel und Panflöte gestaltete Abendlied Op. 69, Nr. 3 von Josef Gabriel Rheinberger strahlte mit seiner klangvollen Harmonie und den hohen Tönen der Panflöte abendliche Ruhe und Geborgenheit aus. Hernach begeisterte Jaroslav Tuma mit dem wunderbaren "Largo" aus Antonin Dvor(áks "Sinfonie Nr. 9 op. 95 Aus der Neuen Welt" in der Transkription für Orgel von Zsigmond Szathmáry. In seinem populärstem sinfonischem Werk schildert der Komponist im Geist amerikanischer Volkslieder und ganz im Sinne von Longfellows Dichtung in faszinierender musikalischer Gestaltung und Atmosphäre den bewegenden Trauergesang des Irokesenhäuptlings Hiawatha über den Verlust seiner Gefährtin, ehe eine an Vogelsang erinnernde Melodie Stimmungswechsel anzudeuten scheint, der aber vom Hauptthema wieder unterbunden wird.
Danach zog die "Berceuse Op. 16" mit der bewundernswerten Harmonie von Panflöte und Orgel von Gabriel Fauré die Zuhörer ebenso in Bann wie das auf der Orgel interpretierte "Liebesmahl der Apostel" in C-Dur von Marco Enrico Bossi aus "Fünf Orgelstücke nach Richard Wagner Nr. 3". Letzteres schien mit mächtigen festlichen Klängen gleichsam ein mächtiger Appell und eine nachdrückliche Einladung mit Echowirkung zu sein.
Bei ihrer Solointerpretation "Syrinx" von Claude Debussy auf der Sopranflöte zeichnete die Interpretin gleichsam musikalisch klagend die Geschichte der Entstehung des Instruments gemäß der griechischen Sage. Dort wird eine Nymphe, die der Hirtengott Pan zur Frau nehmen will, von einer schützenden Gottheit in ein Schilfrohr verzaubert, aus dem sich Pan eine Panflöte schnitt. Besonders auffällig am Orgelsolo des Postludiums aus der "Glagolitischen Messe" von Leoš Janáceks war die gewaltiger Klangfülle, ehe die mit Orgel und Panflöte gemeinsam interpretierte "Rumänische Volkslieder-Suita" ganz unterschiedliche Stimmungen zeichnete und neben schwermütigen auch hohe, jubelnde und regelrecht perlende, frische und frohe Klänge die Zuhörer anzusprechen vermochten.
Furiose Musik sorgte für einen akzentuierten Schluss, ehe der frenetische Beifall der Zuhörer mit einer Zugabe in Form einer Improvisation im Zusammen- und Wechselspiel von der Orgel auf der Empore und der im Kirchengang gespielten Panflöte belohnt wurde. Dabei holte Liselotte Rokyta die gesamte mit der Panflöte mögliche Tonfülle aus dem Instrument heraus und beeindruckte zudem mehrere Male mit ihrem grandiosen Glissando in Form des ununterbrochenen, fließenden Herabgleitens der Töne. Z