Pompöse Orgel- und Saxophonklänge im Erftaldom
Godehard Weithoff und Ralf Schweizer brillierten

Von unserem Mitarbeiter Ralf Scherer Hardheim.(Fränkische Nachrichten)
 

Quelle: Foto: Scherer

"Große Orgelkonzerte mit großen Organisten" versprechen die katholische Kirchengemeinde St. Alban und der Freundeskreis der Erftaldomorgel regelmäßig für ihre Reihe gleichnamiger Konzerte. Und sie haben dabei auch für das Abschlusskonzert 2008 wieder Wort gehalten: Mit dem Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg in Eberbach, Godehard Weithoff, reihte sich am Sonntagabend ein weiterer Ausnahmekünstler in die inzwischen lange Liste großer Organisten ein, die an der Vleugels-Orgel im Erftaldom sämtliche Register zogen. Für die außergewöhnliche und spannende Kombination von Orgelspiel und Saxophonklängen konnte zusätzlich der gebürtige Heidelberger Saxophonist Ralf Schweizer gewonnen werden.

Begrüßt wurden die knapp über 100 Zuhörer zunächst vom Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates Hardheim, Bernhard Berberich, der ein "musikalisch nicht alltägliches Arrangement" versprach. Godehard Weithoff gab einen Überblick über die ausgewählten Werke. Neben Originalliteratur kündigte der Bezirkskantor eine ungewöhnliche Zusammenstellung aus gelungenen Arrangements an, da der überwiegende Teil der ausgewählten Werke nicht für diese Instrumentierung geschrieben sei.

Mit einem, nach klassischen Kirchenkonzert-Maßstäben ungewöhnlich poppigen Titel wagten Weithoff auf der Empore an der Vleugels-Orgel und Schweizer mit seinem Saxophon im Chorraum den Einstieg in das diesjährige Abschlusskonzert. Kenny G's "The Champions Theme" hatten die beiden Künstler ausgewählt und füllten den Erftaldom durch ihre gegensätzlichen Standorte mit einem wunderbar voluminösen Klang.

Die große Zeit der Orgel zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ anschließend Godehard Weithoff an der englischen Chorraumorgel mit Ralph Vaughan Williams "A wedding tune for ann" aufleben, ehe Ralf Schweizer mit seinem Altsaxophon die Stücke eins und neun aus den 13 Melodien des amerikanischen Musikers und Komponisten Philip Glass interpretierte.

Klassischere und deutlich sanftere Töne schlug daraufhin Godehard Weithoff an der Orgel im Chorraum an. Harmonisch ging dabei das "Con spirito" von Thomas Arne in Gabriel Faurés "Cantique de Jean Racine" über und lud die Zuhörer zum Träumen ein.

Ähnlich filigran und wiederum von Ralf Schweizer begleitet, griff der Bezirkskantor bei den beiden gregorianischen Melodien "Clemens rector" und "Pascha nostrum" erneut an der Vleugels-Orgel in die Tasten und demonstrierte dabei die breite Palette seines Könnens.

Kraftvoll und klanggewaltig erfüllten die beiden Ausnahmemusiker anschließend mit dem Originalsatz von Harald Heilmanns "Pastorale" die Hardheimer Pfarrkirche, ehe sich einer der Höhepunkte des Konzertes anschloss. Genauso pompös wie es der Name schon verrät, erklang Edward Elgars populärer Marsch "Pomp & Circumstances, D-Dur". Von König Edward VII als Begleitmarsch für Krönungsfeierlichkeiten ausgewählt, sorgte dieses Werk auch im Erftaldom für Gänsehautatmosphäre und ließ erahnen, wie der Marsch in der St. Paul's Kathedrale in London wirken muss.

Etwas weniger martialisch läuteten Weithoff und Schweizer die Schlussrunde ein und schlugen dabei wieder den Bogen zurück zum amerikanischen Sopransaxophonisten Kenny G und dessen Komposition "Morning". Äußerst gefühlvoll klang das Abschlusskonzert 2008 schließlich mit dem Pop-Klassiker "Music was my first love" von John Miles aus.

Am Ende dieses imposanten Klangerlebnisses erhoben sich die Zuhörer gar von ihren Plätzen und dankten den beiden Interpreten mit lang anhaltendem Applaus. Diese revanchierten sich prompt mit einer Zugabe zu Ehren des Gedenktages an die Novemberpogrome vor 70 Jahren.

Fränkische Nachrichten 12. November 2008